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Auktion: 406 / Moderne Kunst am 08.06.2013 in München Lot 27

 
Objektbeschreibung
Sanddünen unter Bäumen. Um 1912.
Aquarell über schwarzer Kreide.
Verso mit mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570b) und der handschriftlichen Registriernummer "A Be/Aa 30". Auf chamoisfarbenem Velin. 38,3 x 54,9 cm (15 x 21,6 in). Blattgroß.

Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern dokumentiert.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, 31. Auktion, Mai 1958, Kat.-Nr. 485 mit Abb.
Galleria Castelnuovo, Ascona 1961, Kat.-Nr. 19 mit Abb.
Privatsammlung Baden-Württemberg.

Nach dem Abschluss eines Architekturstudiums in Dresden, während Ernst Ludwig Kirchner Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff kennenlernt und mit diesen bereits künstlerisch zusammenarbeitet, entscheidet sich Ernst Ludwig Kirchner gegen den Wunsch seines Vaters ganz für die Malerei. Der intensive Austausch der vier Freunde führt 1905 zur Gründung der Künstlergemeinschaft die "Brücke" mit dem Ziel "alle revolutionären und gärenden Kräfte an sich zu ziehen" (Schmidt-Rottluff). Die Künstler beginnen mit den "Viertelstundenakten", den Zeichnungen nach Aktmodellen im Atelier oder in der Natur. Die Gruppe orientiert sich zunächst an Künstlern des Spätimpressionismus. Die Entdeckung der Fauves, der Südsee-Kunst und van Goghs führt die Maler zum Expressionismus. Infolge der Begegnung mit der Kunst der italienischen Futuristen verändert sich der Malstil der Gruppe um 1910, er wird "härter". Ernst Ludwig Kirchner studiert die Plastik im Dresdner Völkerkundemuseum. Unter diesem Eindruck haut und schneidet Kirchner Holzplastiken. 1911 übersiedelt Ernst Ludwig Kirchner nach Berlin. Die Großstadt bietet ihm eine Fülle neuer Motive, die Kirchner in vereinfachten, scharf konturierten Formen, expressiven Zügen und grellen Farbkontrasten umsetzt. Diese Großstadtbilder werden zu Inkunabeln des Expressionismus und machen Ernst Ludwig Kirchner zu einem der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts.

Doch sucht der Künstler auch den Kontrast zum bunten Treiben der Berliner Metropole. Die Aufenthalte auf Fehmarn in den Sommern von 1912 bis 1914 sind für das künstlerische Schaffen von Ernst Ludwig Kirchner von entscheidender Bedeutung. Vergleichbar mit den Sommeraufenthalten an den Moritzburger Teichen der Dresdner "Brücke"-Zeit, wird hier Natur emotional und hautnah erlebt. Die dort entstehenden Aquarelle sind in ihrer Handschrift für den gereiften Künstler typisch. Zugleich werden sie in der Landschaftsschilderung vom gestrafften Gestus einer Komposition bestimmt, die den expressiven Ausdruck in Zusammenhang mit einer vorhandenen Topografie sieht. Der große malerische Schwung, der sich aus unserem Aquarell mitteilt, wird von einem gehobenen Lebensgefühl getragen, wie es in seiner Unbeschwertheit dort an der Ostsee entstehen kann. Die meisterliche Verwaltung der optischen Elemente zwischen den reinen Papierflächen und denen des Aquarells zeigen Kirchner als souveränen Beherrscher technischen Könnens, welches gerade in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg einen Höhepunkt im Schaffen des Malers markiert.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die folgenden Jahre bedeuten einen Wendepunkt in Kirchners Leben. Die Kriegsereignisse und der Militärdienst stürzen Kirchner in existenzielle Angst, führen letztlich zu Krankheit und langen Sanatoriumsaufenthalten. Um so bemerkenswerter ist seine künstlerische Produktion in dieser Zeit. Es entstehen Werke wie der Holzschnitt "Frauen am Potsdamer Platz", die "Bilder zu Chamissos Peter Schlemihl", die Selbstporträts und Holzschnittbildnisse aus den Sanatorien, die zu den Höhepunkten seines Œuvres zählen. 1917 lässt sich Ernst Ludwig Kirchner in Frauenkirch bei Davos nieder. Den Großstadtbildern folgen nun Gebirgslandschaften und Darstellungen ländlichen Lebens. Um 1920 beruhigt sich seine expressive Malweise, die Bilder erhalten eine teppichhafte Flächigkeit. Daneben entsteht ein bedeutendes grafisches Werk in Form von Holzschnitten, Lithografien und Federzeichnungen. 1923 zieht Ernst Ludwig Kirchner in das "Haus auf dem Wildboden" am Eingang zum Sertigtal, wo Kirchner bis zu seinem Freitod im Jahr 1938 lebt und arbeitet. [KD].

27
Ernst Ludwig Kirchner
Sanddünen unter Bäumen, 1912.
Aquarell
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 97.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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