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Auktion: 409 / Klassische Moderne & Seitenwege der dt.Avantgarde am 06.12.2013 in München Lot 324

 
Objektbeschreibung
Lotte mit Kopftuch. Um 1919.
Öl auf Leinwand, doubliert.
Soika 1920/43. Links unten signiert. 88 x 62,5 cm (34,6 x 24,6 in).
Ursprünglich monogrammiert (ligiert) und datiert (1919?), danach die Datierung übermalt und das ligierte Monogramm zur vollen Signatur ergänzt.

PROVENIENZ: Sammlung Carl Steinbart, Berlin (ca. 1919 beim Künstler erworben).
Sammlung Irmgard Bender, geb. Steinbart, Berlin/Bad Godesberg (1923-ca. 1975).
Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (um 1975 direkt aus der Smlg. Bender erworben).

AUSSTELLUNG: Max Pechstein auf Reisen - Utopie und Wirklichkeit, Wanderausstellung: Museum Stade, 16.9.2013-20.1.2013; Museum Zwickau 9.2.13-12.5.2013; Museum im Kulturspeicher Würzburg 1.6.-1.9.2013.

Schon früh wird das künstlerische Talent Hermann Max Pechsteins erkannt und gefördert. Sein Werdegang, erst als Lehrling bei einem Zwickauer Malermeister, dann in der Dresdner Kunstgewerbeschule und schließlich an der dortigen Akademie bei dem Dekorationsmaler Otto Gußmann, verhilft Pechstein zu einem soliden handwerklichen Können. Als er 1906 für die Dresdner Kunstgewerbeausstellung ein Deckenbild in so unkonventioneller Farbigkeit malt, dass es der Auftraggeber durch graue Spritzer dämpfen lässt, wird Erich Heckel auf Pechstein aufmerksam und holt ihn schließlich in die ein Jahr zuvor gegründete Künstlervereinigung "Brücke", welche sich zum Ziel eine dem Impressionismus entgegengesetzte, aus der Kraft der Farbe kommende Malerei gesetzt hatte und "alle revolutionären und gärenden Kräfte an sich [..] ziehen wollte" (Schmidt-Rottluff). Im Umfeld der "Brücke"-Mitglieder entwickelt sich der expressionistische Stil Pechsteins nun weiter, wobei es sein Ziel ist, mit wohldosiertem Einsatz malerischer Mittel den motivischen Kernpunkt herauszuarbeiten. 1908 lässt sich Pechstein in Berlin nieder und wird dort zum Mitbegründer der Neuen Sezession. Er schafft Figurenbilder, Stillleben und Landschaften in einem gemäßigt expressionistischen Stil, der zu dem frühen und langanhaltenden Erfolg des Künstlers führt.

Auf der Suche nach einem Aktmodell, das seinen Vorstellungen entspricht, hat Max Pechstein 1909 Charlotte Kaprolat kennengelernt. Sie wird sein bevorzugtes Modell und später seine Frau. Ihr üppiger weiblicher Körper ist Inbegriff einer erträumten Sinnlichkeit, deren Interpretation das erklärte Ziel der Maler der Jahrhundertwende ist. Max Pechstein folgt hier einer aus seinem Umkreis vorgegebenen Sichtweise, wenn auch in seinem Sinne und mit den ihm eigenen Mitteln. Das Porträt "Lotte mit Kopftuch" ist in seiner Frische der Auffassung wohl einer spontanen Niederschrift zu verdanken, die eine Unmittelbarkeit des Eindrucks verdeutlicht, wie man sie im malerischen Werk von Max Pechstein öfter verfolgen kann. Porträts sind normalerweise das Ergebnis mehrerer Sitzungen, die als Grundlage einer Erfassung der dargestellten Persönlickeit unabdingbar sind. Der Vertrautheit mit seinem Modell und Lebenspartnerin ist es zu verdanken, dass Max Pechstein hier spontan das augenblicklich Erlebte erfasst, das den suggestiv-optischen Reiz dieser Komposition ausmacht. Die leicht exotischen Gesichtszüge der jungen Frau werden mit dem lässig drapierten Kopftuch in eine Sphäre sinnlicher Direktheit gehoben, scharf begrenzt durch das Weiß der Bluse und einer amorphen Farbigkeit des nicht näher definierten Hintergrundes. Fern von einem abbildhaften Spätimpressionismus, wie ihn Max Liebermann mit großem wirtschaftlichen Erfolg pflegt, und im Gegensatz zu den abstrahierenden Tendenzen der Zeit schafft Pechstein einen Typus des elementaren Ausdrucks, wie er in seiner Schärfe der Charakterisierung und der optischen Brillanz der Aussage seinesgleichen sucht.

1937 wird Hermann Max Pechstein als "entarteter Künstler" diffamiert. Ab 1945 dann lehrt er an der Berliner Akademie der Künste. Neben der Malerei entsteht im Bereich der Grafik ein Werk mit mehr als 850 Holzschnitten, Lithografien und Radierungen. [KD].

324
Hermann Max Pechstein
Lotte mit Kopftuch, 1919.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 600.000
Ergebnis:
€ 1.140.000

(inkl. 20% Käuferaufgeld)
 


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Hermann Max Pechstein - Lotte mit Kopftuch - Weitere Abbildung
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