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Auktion: 409 / Klassische Moderne & Seitenwege der dt.Avantgarde am 06.12.2013 in München Lot 361

 
Objektbeschreibung
Mann mit grüner Fahne. 1952.
Öl auf Leinwand.
Wohlert 2504. Links unten monogrammiert und datiert (ligiert). Auf dem Keilrahmen mit einem Etikett, dort von fremder Hand mit der Nachlassnummer "169" bezeichnet. 145 x 64 cm (57 x 25,1 in).

PROVENIENZ: Liesbeth Hofer, Witwe des Künstlers, und deren Erben.
Kunsthandel Gerd Köhrmann, Nachlass Karl Hofer, Köln (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Privatsammlung Hessen.

AUSSTELLUNG: Karl Hofer. Ölbilder, Zeichnungen, Druckgraphik der Jahre 1922 bis 1955. Baukunst - Galerie, Köln 23.11.1972-20.1.1973, Kat.Nr. 27.
Karl Hofer. Wiedergewonnene Verluste. Bilder aus den letzten Jahren, Galerie Andreas Baumgartl, München 27.4.-23.6.2001, S. 37 (mit Farbabb.).

Karl Hofer wird am 11. Oktober 1878 in Karlsruhe als Sohn eines Militärmusikers geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre in der Hofbuchhandlung von C.F. Müller beginnt er 1897 ein Studium an der Großherzoglich Badischen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Bis 1901 ist Hofer Schüler von Robert Poetzelberger, Leo von Kalckreuth und Hans Thoma - Lehrer, von denen er wenig Anregungen für sein ambitioniertes "Kunstwollen" erhält. Als Suchender gerät er unter den Einfluss Arnold Böcklins. Im Jahr 1900 bricht Hofer zu einer Studienreise nach Paris auf, wo er die naive Malerei Henri Rousseaus kennenlernt, die ihn besonders beeindruckt. Der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe erschließt ihm nicht nur sehenswerte Pariser Privatsammlungen, sondern macht ihn auch auf Hans von Marées aufmerksam, so dass Hofer sich 1903 entschließt, für einige Jahre nach Rom zu gehen. Seine bis dahin vom Symbolismus in der Nachfolge Böcklins geprägte Malerei verändert sich nun zugunsten einer klassisch-arkadischen Auffassung im Stil Marées. 1904 präsentiert das Kunsthaus Zürich innerhalb der "Ausstellung moderner Kunstwerke" die erste Einzelausstellung Hofers, die danach in erweiterter Form in der Karlsruher Kunsthalle, im Folkwang-Museum in Hagen und 1906 in Weimar gezeigt wird. Ab 1908 lebt Hofer zeitweise in Paris; der dortige Aufenthalt mit der Verarbeitung der Einflüsse Cézannes, der französischen Impressionisten und El Grecos verändern seinen Stil. 1913 übersiedelt der Künstler nach Berlin. Im folgenden Jahr wird Hofer in Frankreich interniert und kehrt erst 1917 nach Deutschland zurück. 1921 nimmt er eine Professur an der Kunstschule in Berlin-Charlottenburg an. Zum 50. Geburtstag findet 1928 eine große Retrospektive in der Kunsthalle Mannheim, der "Berliner Secession" und in der Berliner Galerie von Alfred Flechtheim statt. Während des Dritten Reiches wird Hofers Kunst als "entartet" diffamiert, 1933/34 wird er vom Dienst suspendiert und seine Arbeiten 1937 in der Münchner Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt.

Das statuarische Element, das im malerischen Werk von Karl Hofer in der Spätzeit immer mehr an Bedeutung gewinnt, bestimmt auch diese Komposition mit einem Fahnenträger, der in seiner Aktion des Voranschreitens scheinbar verharrt. An Heiligenbilder der Renaissance erinnernd, ist er in seiner solitären Erscheinung der Darstellungsweise auf dem Seitenflügel eines Altars vergleichbar, etwa ähnlich den beiden Stifterfiguren des Paumgartner-Altares von Albrecht Dürer, heute im Besitz der Alten Pinakothek in München. Doch die gelassene Haltung, mit der Dürer seine Stifterfiguren ausstattet, ist bei Hofer zugunsten einer Entschlossenheit gewichen. Hier Nachklänge einer kämpferischen Motivierung zu sehen, wie sie bei Hofer immer wieder anklingt, scheint nicht verfehlt. Die austarierte Dreieckskomposition, die in der Fahnenspitze gipfelt, unterstreicht den kompositorischen Willen einer klaren Aussage, in der alle formalen Elemente reduziert sind. Karl Hofers Fahnenträger scheint in eine ungewisse Zukunft zu schreiten, deren Deutung dem Betrachter überlassen wird. Doch vor dem Hintergrund seiner Entstehungszeit, welche von Hofers Auseinandersetzung mit den Protagonisten der Abstraktion geprägt war, ist der Fahnenträger gewiss auch als klares Bekenntnis zur figurativen Malerei zu sehen. Die Bildidee des Fahnenträgers wurde von Karl Hofer bereits in mehreren Gemälden der Zeit um 1912/13 geformt, fast ausschließlich in mehrfigurigen Kompositionen. Ein eindrucksvolles Beispiel dieses Sujets gehört heute zum Bestand der Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1955 lebt Hofer in Berlin und bekleidet das Amt des Direktors an der Hochschule für Bildende Künste. [KD].

361
Karl Hofer
Mann mit grüner Fahne, 1952.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 64.660

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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