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Auktion: 413 / Alte Meister am 24.05.2014 in München Lot 222

 
Objektbeschreibung
Glückliche Kutschfahrt. Ca. 1890/1900.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert. 131 x 181,5 cm (51,5 x 71,4 in).
Verso auf dem Keilrahmen Rest eines alten Ausstellungsetiketts, bezeichnet "Nr. 3307".

PROVENIENZ: Erworben 1909 bei der Münchner Künstler-Genossenschaft während der Glaspalast-Ausstellung (mit Kaufquittung in Kopie).
Seitdem Privatsammlung Rheinland-Pfalz.

AUSSTELLUNG: X.Internationale Kunstausstellung im königlichen Glaspalast zu München, 1909, Kat.Nr. 840 (ohne Abb.).

Alfred von Wierusz-Kowalski wird 1849 in Suwalki in Polen geboren. Er wächst auf einem Gutshof auf und wird geprägt vom Landleben mit Pferden, Hunden und anderen Tieren. 1865 siedelt seine Familie nach Kalisz über. Bereits während seiner Schulzeit erhält er Zeichenunterricht. 1868 beginnt Wierusz-Kowalski sein Studium an der Akademie in Warschau, ein Jahr später wechselt er an die Dresdner Akademie. Hier sieht er erstmals Arbeiten des international erfolgreichen russischen Künstlers Nikolai Swertschkoff. Ein direkter Kontakt zwischen den beiden Malern ist nicht belegt, jedoch ist thematisch wie stilistisch der Einfluss auf die Gemälde Wierusz-Kowalskis in den nächsten Jahren offensichtlich. Zusammen mit seinem Malerfreund Waclaw Brozik geht Wierusz-Kowalski von Dresden aus nach Prag, wo beide in erster Linie als Historienmaler arbeiten. Nach wenigen Monaten siedeln sie nach München über, Wierusz-Kowalski wird hier im Herbst 1873 an der Akademie in die Malklasse von Alexander von Wagner aufgenommen. Zudem findet er schnell Anschluss an den legendären Kreis polnischer Künstler um Josef von Brandt. Anfang der 1880er Jahre wird Wierusz-Kowalski wohl durch Brandt und Franz Roubaud zu einigen kaukasischen Darstellungen inspiriert. Vermutlich reist er aber nie selbst in den Kaukasus. Nach 1903 finden sich in seinem Œuvre wiederholt Beduinenmotive, die auf eine Reise durch Nordafrika in diesem Jahr zurückgehen.

Bekannt und erfolgreich wird Wierusz-Kowalski mit zahlreichen Szenen aus dem polnischen Landleben. Vor allem die verschiedenen Darstellungen von rasanten Pferdeschlitten- und Kutschfahrten sind typisch für ihn. Seine feine dynamische Malweise verleiht den vortrefflich geschilderten Motiven eine große Lebendigkeit. Besonders charakteristisch für Wierusz-Kowalskis Gemälde sind überraschende Perspektiven. So scheint auf diesem großformatigen Gemälde das Pferdegespann auf den direkt am Wegesrand stehenden Betrachter zuzufahren, die Kraft des Pferdes, sein warmer Atem, die staubige Straße sind beinahe spürbar. Die tiefstehende Abendsonne taucht die gesamte Szene in ein diffus sanftes Licht und unterstreicht das zarte Glück des jungen Paares, das den frühen Herbstabend für eine kleine Fahrt ins Blaue nutzt.

Wierusz-Kowalski stellt seine Gemälde über mehrere Jahrzehnte hinweg auf den Kunstvereins- und Akademie-Ausstellungen in München, Wien, Dresden und Berlin aus. Dreimal ist er auf dem Pariser Salon vertreten, bei den Kunstausstellungen im Münchner Glaspalast finden sich seine Gemälde regelmäßig bis 1914. 1910 erzeugt sein monumentales, 5 mal 10 Meter großes Gemälde "Überfall der Wölfe" großes Aufsehen, als es im Alten Rathaus in München ausgestellt wird. 1915 stirbt Wierusz-Kowalski in München. [CB].

222
Alfred von Wierusz-Kowalski
Glückliche Kutschfahrt, Ca. 1890/1900.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 64.660

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


Weitere Abbildungen
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