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Auktion: 410 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 07.12.2013 in München Lot 1227

 
Objektbeschreibung
4 Prototypen. 1970.
Folge von 4 Farbserigrafien. Herausgegeben von der Galerie Heiner Friedrich, München, im Verlag G. v. Pape, München 1970.
Jahn 7. Jeweils signiert, datiert und nummeriert. Aus einer Auflage von 90 Exemplaren. Auf Bristolkarton. Bis: 36,9 x 49 cm (14,5 x 19,2 in). Papier: je 59,6 x 59,9 cm (23,4 x 23,5 in).
Gedruckt vom Serigraphischen Atelier Laube, München. Lose Bogen. Vollständig.

Am 2. Juni 1943 wird Blinky Palermo als Peter Schwarze geboren. Noch im selben Jahr werden er und sein Zwillingsbruder Michael von Erika und Wilhelm Heisterkamp adoptiert.
1961 beginnt Palermo seine künstlerische Ausbildung an der Werkkunstschule Münster. Bereits im darauf folgenden Jahr studiert er an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Bruno Goller, 1964 wechselt er in die Klasse von Joseph Beuys. Seine Ähnlichkeit mit dem amerikanischen Mafioso Blinky Palermo ist ausschlaggebend, diesen Namen als Pseudonym anzunehmen. 1965 stellt er erstmals offiziell unter diesem Namen aus. 1967 beendet Blinky Palermo sein Studium an der Düsseldorfer Akademie. Seine während der Studienzeit geschlossenen Freundschaften mit Sigmar Polke und Gerhard Richter bleiben auch nach seinem Umzug nach Mönchengladbach 1969 bestehen.

Die Mappe '4 Prototypen' nimmt im grafischen Werk von Blinky Palermo eine Schlüsselposition ein. Mit dieser ästhetisch angelegten wie konzeptionell durchdachten Folge von Siebdrucken schafft er ein 'prototypisches' Formenrepertoire, auf welches er in seinem späteren Werk noch häufiger zurückgreifen wird. Geometrische Grundformen, denen konstruktivistische Bildkonzepte eines Malewitsch zugrundeliegen, erscheinen als homogene, geschlossene Fläche. Die Formen mit malerisch aufgelöster Kontur beginnen in Kombination mit intensiver, satter Farbigkeit vor neutralem Grund zu pulsieren und aus der Zweidimensionalität in die Raumtiefe auszubrechen. In der Gegenüberstellung der vier Blätter entstehen spannungsreiche Farb- und Formdialoge und eine rhythmische Abfolge ruhiger und bewegter Formklänge. Trotz des Entzugs jeder bildlichen Illusion verleiht Palermo seinem künstlerischen Vokabular eine erstaunliche Autonomie. Er setzt die Formen als aktive Farbfiguren in Szene und führt so eine deutliche Trennung von Bildwirklichkeit und Alltagswirklichkeit herbei.

Verschiedenen Aufträgen für Wandmalereien u.a. in Edinburgh und Brüssel folgt 1972 seine Beteiligung an der documenta 5. 1973 übersiedelt er nach New York. Gemeinsam mit Baselitz und Polke ist Palermo 1975 mit Metallbildern auf der XIII. Bienal de São Paulo vertreten. 1976 kehrt er nach Düsseldorf zurück, wo die Metallbildserie 'To the People of New York City' entsteht. Mit 34 Jahren stirbt Palermo am 17. Februar 1977 auf einer Urlaubsreise an Herzversagen. Das Oeuvre Blinky Palermos, das innerhalb der Kunst der 1960er und 1970er Jahre eine bedeutende Rolle spielt, kann in drei Perioden untergliedert werden: Während er in seinen Studienjahren die Möglichkeiten malerischer Mittel anhand von Leinwand-, Stoff- und Objektbildern untersucht, ist zwischen 1968 und 1973 eine Reduktion des Bildvokabulars in zahlreichen Techniken zu beobachten. Die letzte Schaffensphase führt Blinky Palermo zu seinem Frühstil zurück, der den Künstler schließlich die für ihn charakteristische Metallmalerei entwickeln lässt.
Jenseits einer benennbaren stilistischen Einordnung oder Gruppenzugehörigkeit vollzieht sich innerhalb von nur 15 Jahren eine konsequente Entwicklung, die bis in die jüngste Gegenwart von großem Einfluss sein wird. [KP]

1227
Blinky Palermo
4 Prototypen, 1970.
Farbserigrafie
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 31.720

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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