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Auktion: 420 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 06.12.2014 Lot 827

 
Objektbeschreibung
Schwarze Übermalung. 1961.
Mischtechnik, Öl und Ölkreide auf Leinwand über Karton auf Keilrahmen.
Rechts oben signiert und datiert. Auf der umgeschlagenen Leinwand abermals signiert und datiert. 50 x 70 cm (19,6 x 27,5 in).

PROVENIENZ: Hermann Kern, München.
Galerie Rüdiger Schöttle, München.
Privatsammlung.

Auf Wunsch der Eltern besucht Arnulf Rainer 1947-1949 die Staatsgewerbeschule in Villach mit der Fachrichtung Hochbau. Sowohl die Wiener Hochschule für angewandte Kunst als auch die Wiener Akademie der bildenden Künste verlässt er 1949 nach künstlerischen Kontroversen nach nur wenigen Tagen. Fortan bildet er sich autodidaktisch weiter. Unter dem Eindruck der gestischen Malerei von Jackson Pollock, Jean Paul Riopelle und Wols, die er 1951 in Paris kennen lernt, wendet sich Rainer vom fantastischen Surrealismus ab und geht zu abstrakten Mikrostrukturen über. Um 1953 entstehen die ersten "Übermalungen", die sein gesamtes Werk begleiten werden. Religiöse Themen, meist Kruzifikationen, finden in den Jahren 1956/57 nachhaltigen Eingang in sein Werk. Nach intensiven Drogenerlebnissen und Studien in psychiatrischen Kliniken beginnt er in den 1960er Jahren, Fotos der eigenen Physiognomie und des eigenen Körpers sowie Abbildungen alter Meister und zeitgenössischer Künstler zu übermalen.

Bei der Entstehung der "Übermalungen" Arnulf Rainers "ist maßgeblich der spezifische Reiz, der von dem zu Übermalenden ausgeht; die Fehlstellen, die zur Korrektur auffordern, der Reiz, aus einer guten Stelle eine noch bessere zu machen; der komplexe Lustgewinn aus einerseits dem Lustmord an dem zu übermalenden Bild, andererseits der Befriedigung des Schöpfertriebs durch Schaffung eines neuen organischen Ganzen. Das Übermalte kann zwar anschließend in den meisten Fällen nicht mehr gesehen werden, es lebt jedoch als höchst wichtiger (und keinesfalls beliebiger) Bestandteil des endgültigen Bildes dadurch weiter, daß es durch seine Eigenart den Vorgang des Übermalens gesteuert hat" (Hermann Kern, Übersicht über die künstlerische Entwicklung Arnulf Rainers, in: Arnulf Rainer, Ausst.-Kat. Kunstverein in Hamburg, 1971, S. 3).

Arnulf Rainer setzt sich immer wieder über gesellschaftliche Tabus hinweg, nicht nur im Bereich der Erotik, sondern auch ab 1977 in der Folge der Totenmasken und Totenzeichnungen. 1978 und 1980 vertritt Rainer Österreich auf der Biennale in Venedig. Nach einer kurzen Phase von Hand- und Fingermalereien kehrt er in den 1980er Jahren zu religiösen Bildthemen zurück. Ab 1981 ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin und Leiter einer Meisterklasse für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Im selben Jahr erhält Rainer den Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt. Eine große Werkschau findet 1984 im Centre Georges Pompidou in Paris statt. Weitere Ausstellungen u.a. in den USA und Canada, die von Museumsverkäufen begleitet werden und schließlich 1989 in einer großen Retrospektive im Guggenheim Museum New York münden, dokumentieren seine künstlerische Bedeutung. Einen Höhepunkt in der Würdigung seines Werkes stellt die Eröffnung des Arnulf Rainer Museums 1993 in New York dar. Nachdem unbekannte Täter in seinem Atelier in der Akademie der bildenden Künste eine Vielzahl seiner Bilder zerstören, emeritiert er 1995 auf eigenen Wunsch. 1996 entstehen, in Anknüpfung an Übermalungen von botanischen und zoologischen Abbildungen aus Büchern des 18. und 19. Jahrhunderts, die der Künstler 1985 zu sammeln beginnt, die Serien "Blattmalerei" und "Mikrokosmos". Arnulf Rainer zählt heute zu den wichtigsten und immer noch umstrittendsten Künstlern Österreichs.

827
Arnulf Rainer
Schwarze Übermalung, 1961.
Mischtechnik
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 103.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


Weitere Abbildungen
Arnulf Rainer - Schwarze Übermalung - Rahmenbild
Rahmenbild
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