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Auktion: 420 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 06.12.2014 in München Lot 848

 
Objektbeschreibung
Weißer Wind. 1992.
Nägel und weiße Farbe auf Leinwand, auf Holz.
Verso zweifach signiert und datiert sowie betitelt und mit dem Richtungspfeil. 150 x 150 x 18 cm (59 x 59 x 7 in). [SM].

Wir danken Herrn und Frau Prof. Günther Uecker für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Galerie Dorothea van der Koelen, Mainz (verso zweifach mit dem Stempel).
Privatsammlung Süddeutschland.

Günther Uecker wird am 13. März 1930 in Wendorf, Mecklenburg, geboren. Seine künstlerische Ausbildung beginnt Uecker 1949 mit dem Studium der Malerei in Wismar. Seine nächste Station ist die Kunstschule in Berlin-Weißensee, dann geht er 1955 nach Düsseldorf. Dort studiert Uecker bei Otto Pankok an der Kunstakademie, wo er seit 1974 bis heute als Lehrer tätig ist. Gegen Ende der 1950er Jahre entstehen dort auch die ersten Nagelbilder. Uecker kommt mit der Gruppe "ZERO", den Künstlern Heinz Mack und Otto Piene in Berührung, die für einen Neuanfang der Kunst gegen das deutsche Informel plädieren. Er beschäftigt sich mit Lichtmedien, erforscht optische Phänomene, Strukturreihungen und Schwingungsbereiche, die den Betrachter aktiv miteinbeziehen und diesen den visuellen Prozess durch motorische oder manuelle Eingriffs- und Veränderungsmöglichkeiten selbst beeinflussen lassen. Mit Mack und Piene richtet Uecker 1962 im Amsterdamer Stedelijk Museum und im Palais des Beaux Arts in Paris einen "Salon de lumière" ein. Weitere Lichtsalons folgen in Krefeld und Frankfurt. Seit Anfang der 1960er Jahre, insbesondere aber ab 1966, nach der Auflösung von "ZERO" und einer letzten gemeinsamen Ausstellung, setzt Günther Uecker Nägel als sein Hauptgestaltungsmittel ein - ein Material, das bis heute im Zentrum seines Schaffens steht. Er beginnt mit der Übernagelung von Möbeln, Musikinstrumenten und Haushaltsgegenständen, kombiniert dann Nägel mit dem Lichtthema und entwickelt so Serien von Lichtnägeln und kinetischen Nägeln. Später bleiben Licht und Strom ein großes Thema, es werden aber auch natürliche Materialien wie Sand und Wasser in Raumkonzepte eingebunden und in einem Zusammenspiel der verschiedenen Elemente zu einem Ereignis von Licht, Raum, Bewegung und Zeit vereint.

Der Nagel als anonymes industrielles Produkt wird in Ueckers Œuvre zum Träger intensiven geistigen Ausdrucks. Traditionell ist der Nagel mit Assoziationen wie Festhalten und Fixieren verhaftet, doch setzt Uecker dieses Material bei seinen Objekten dazu ein, Bewegung zu demonstrieren und zu artikulieren. So beleben Licht und Schatten die Fläche mit den teils dicht gedrängten, teils einzeln verstreuten Nägeln und erschaffen eine rhythmische Dynamik, die sich je nach Standort des Betrachters wandelt. Alle Elemente scheinen in einem im Fluss befindlichen Vorgang aufgebracht zu sein und spiegeln den intensiven, fast tranceartigen Arbeitssprozess des Künstlers wider.

Günther Uecker lebt und arbeitet in Düsseldorf.

848
Günther Uecker
Weißer Wind, 1992.
Schätzung:
€ 400.000
Ergebnis:
€ 1.100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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