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Auktion: 428 / Klassische Moderne am 03./05.12.2015 in München Lot 275

 
Objektbeschreibung
Mädchen mit Laute. 1945.
Öl auf Leinwand.
Wohlert 1875. Rechts unten monogrammiert (ligiert) und datiert. 80 x 62 cm (31,4 x 24,4 in).
Rückseitig: Schwarzwaldlandschaft mit Hohentwiel (vgl. Wohlert 1329).
Stimmungsvolle Genredarstellung.

PROVENIENZ: Galerie Walter Schüler, Berlin-Zehlendorf (auf dem Keilrahmen mit Etikett).
Privatsammlung Berlin (ca. 1950 direkt vom Vorgenannten erworben, seitdem in Familienbesitz).

LITERATUR: H. Kotschenreuther, Karl Hofer. Maler und Seher, in: Film und Frau, 11.1959, Nr. 15 mit Abb. S. 9.

Essay
War es Ignoranz oder einfach die Abschottung vor den dramatischen Zeitereignissen, die Karl Hofer dazu veranlassen, sich 1945 einem so stillen, romantischen Sujet zuzuwenden? Tatsache ist die ungebrochene Kontinuität in seinem malerischen Werk auch in den Zeiten der Ausgrenzung. Die ganz in sich selbst versunkene Lautenspielerin könnte aber auch als Metapher für den Untergang einer Epoche gesehen werden, die das Ideal einer gefühlsbetonten Selbstversunkenheit mit Füßen getreten hatte. Die in sich geschlossene Komposition greift ein Sujet wieder auf, das Karl Hofer bereits 1935 verwirklicht hat. Und doch sind markante Unterschiede erkennbar. Die Lautenspielerin von 1935 ist ganz mit ihrem Spiel beschäftigt, die von 1945 entrückt, traumverloren, wie nicht von dieser Welt. Das mochte im Umkreis der Ereignisse von 1945 eine Flucht vor der realen Wirklichkeit bedeuten, die zu schildern kaum einer der überlebenden Künstler in der Lage war. Eine erneute Verwendung der bereits bemalten Leinwand zeugt von der schwierigen materiellen Lage, in der sich Hofer 1945 befand. Die Lautenspielerin ist aber auch im positiven Sinne zu verstehen; in der Kontinuität von Gefühlsnähe im Angesicht einer ausufernden Grausamkeit und wohl auch als Hinweis auf eine hoffentlich friedlichere Zukunft, in der der Menschenwürde wieder die gebührende Achtung zuteil werden sollte. Im Januar 1945 schreibt Karl Hofer an Leopold Ziegler: "Hätte ich gewußt, daß es Dich interessiert, daß ich arbeite, so hätte ich es Dir geschrieben. Es ist freilich das Einzige, das mich am Leben hält, ich wüßte nicht, was ich sonst in dieser Kloake noch zu suchen hätte..Ich habe mir früher oft Gedanken darüber gemacht, ob ein Künstler, einsam auf einer Insel, ohne Hoffnung auf eine Verbindung mit der Welt, wohl arbeiten würde. Ich muss diese Frage bejahen, denn ich befinde mich in diesem Fall" (zit. nach: Renate Hartleb, Karl Hofer, Leipzig 1987, S. 58).
275
Karl Hofer
Mädchen mit Laute, 1945.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 237.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


Weitere Abbildungen
Karl Hofer - Mädchen mit Laute - Rahmenbild
Rahmenbild
 
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