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Auktion: 441 / Contemporary Art am 11.06.2016 in München Lot 820

 
Objektbeschreibung
Der Tag der großen Hoffnung. 2007.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert, datiert, betitelt und bezeichnet. 120 x 140 cm (47,2 x 55,1 in).
[FS].

LITERATUR: Maerzgalerie (Hrsg.), Aris Kalaizis. Making Sky. Eine Monographie mit Werkverzeichnis 1995-2009, Leipzig/ Berlin 2009, S. 45 (mit Farbtafel).
Paul-Henri Campbell (Hrsg.), Aris Kalaizis. Sottorealism. Eine Monographie mit Werkverzeichnis 1994-2014, Leipzig 2014, S. 137.

Essay
Aris Kalaizis, Sohn politischer Emigranten aus Griechenland und gebürtiger Leipziger, gehört zu den bekanntesten Protagonisten der Neuen Leipziger Schule. Nach einer Ausbildung zum Offsetdrucker und einer Umschulung zum Fotolaboranten, gelangt Kalaizis Anfang der 1990er Jahre zur bildenden Kunst, die in Leipzig durch die Vertreter der ersten und zweiten Generation der Leipziger Schule geprägt ist - unter ihnen Sighard Gille, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, Arno Rink und Werner Tübke. An die Figuration seiner Lehrer anknüpfend, liegt auch bei Kalaizis das Hauptaugenmerk auf der gegenständlichen Malerei. Seine Werke bestechen dabei nicht nur durch ihre technische Virtuosität und ein meisterliches Kolorit, sondern faszinieren darüber hinaus durch die spannungsvoll-mysteriösen Geschichten, die uns der Künstler erzählt. So auch bei dem vorliegenden Gemälde "Der Tag der großen Hoffnung", das vor der Kulisse einer verlassenen Kiesgrube an einem einsamen Waldrand eine beklemmende Szene zwischen drei Nachtschwärmern zeigt. Die beiden Männer im Bild, eindeutig am Ende ihrer nächtlichen Tour angekommen, haben ein junges Mädchen bei sich. Dieses steht mit abgewandtem Blick, abseitig am Rand der Grube. Ihre Gestalt wird durch den Scheinwerfer angestrahlt und wie in einem Spotlight auf einer Bühne präsentiert. Schockierend deutlich steht der ausweglos erscheinenden Situation des Mädchens der glutrote Streifen am fernen Horizont entgegen, der das trübe Morgenlicht durchschneidet und das Hereinbrechen eines neuen Tages voller Möglichkeiten verheißt. Das Bild erscheint uns wie die letzte Szene einer unendlich langen, ereignisreichen Nacht, wie ein isoliertes Filmstill, das aus seinem Kontext, seiner Vor- und Nachgeschichte herausgeschnitten wurde und uns nun mit wenig Antworten, aber vielen Fragen zurücklässt. Eben jene Verweigerung einer Auflösung in den Bildern Kalaizis' zieht uns in ihren Bann. So auch in "Das Ritual" (2008), dessen absurde Konstellation in ihrer kommentarlosen Erklärungslosigkeit nahezu bedrohlich, wenn nicht gar verstörend wirkt. Spannung, Unbehagen und Neugier treten in den Bildern Kalaizis in ein Wechselspiel und lassen die Werke zu unverwechselbaren Stimmungsmachern werden. Die oftmals skurril bis surreal anmutenden Szenerien sind dabei sorgfältig aus einzelnen fotografischen Elementen und anhand von vorher angelegten Textskizzen zusammengesetzt - der Künstler erscheint als Regisseur seiner Bildergeschichten voll dunkler Andeutungen, die eine beständige emotionale und intellektuelle Herausforderung für den Betrachter darstellen. Die Werke des mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichneten Künstlers sind in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Aris Kalaizis lebt und arbeitet in Leipzig.
820
Aris Kalaizis
Der Tag der großen Hoffnung, 2007.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 9.000
Ergebnis:
€ 22.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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