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Auktion: 433 / Kunst nach 1945 I am 11.06.2016 in München Lot 939

 
Objektbeschreibung
Wackel mit den Beinchen. 1973.
Mappe mit 14 Tuschfederzeichnungen, davon 13 aquarelliert.
Janda 73/25. Jeweils mit dem Trockenstempel des Künstlers und verso mit der Blattnummer. Jeweils auf chamoisfarbenem Bütten von Spechthausen (mit dem Wasserzeichen). Je ca. 21 x 15 cm (8,2 x 5,9 in).
Lose Bögen in Halbpergament-Kassette, auf dem Mappenrücken in Gold geprägt "Altenbourg", auf dem Kassettendeckel betitelt.

Mit einer schriftlichen Bestätigung von Anneliese Ströch, Altenburg, vom 16. Dezember 2007.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers.
Privatsammlung Süddeutschland (direkt vom Nachlass erworben).

Essay
Beredtes Zeugnis von Altenbourgs Doppelbegabung geben seine Malerbücher, heute zu einem Gutteil in Museumsbesitz. Unser Künstlerbuchbesteht aus 13Aquarellenund einer Zeichnung. Blankobögen für eigene Texte, wohl Gedichte, konnte der Künstler nicht mehrfüllen. Dieses Non-finito, vergleichbar etwa in"Altenbourg segelt nach Kreta" (Kupferstichkabinett Dresden), ist keineswegs alsQualitätsurteil des Künstlers zu verstehen. Es ist, im Gegenteil, geradezu typisch. Denn Altenbourgs Malerbücher, die stets beim Bild und nicht beim Text beginnen,sind Ergebnisse eines hochgradigkontemplativen Prozesses: Über Monate und Jahre lässt der Künstler die Arbeit ruhen, sucht im Innehalten die Tiefe des Werkes. Unsere Arbeitist damit eindrucksvoller Zeuge eines meditativenSchöpfungsaktesvon geradezu religiöser Dimension.Altenbourgselbst schreibt über die Entstehungseiner Künstlerbücher: "Jahrelanges Nachdenken, dann in vier Monaten, liegend, Meditation in einem Zustand der sich klärenden Erhellung, versunken und im Durchdenken der aus dem Grund auftauchenden Chiffren." (zit. nachA. Janda, Gerhard Altenbourg, Bd. 2, Köln 2007, S. 301).
Unser Künstlerbuch ist als bibliophiles Unikat angelegt: Die Blätter sind bewusst nicht zum Buch gebunden, sondern werden lose in eine Kassette geschichtet. Ein solches "Schatzkästlein-Prinzip" ist auch bei bibliophilen französischen Ausgaben geläufig und weist Altenbourg als Kenner dieser Gattung aus. Zudem wird der Bildwert jeder einzelnen Seite enorm gesteigert, und zugleich steuert Altenbourg die Rezeption: vorsichtiges Herausnehmen und Betrachten, ungestört durch die Mittelfalz eines Buches. So kann der poetische Stil von Altenbourgs Bildern seine ganze Wirkmacht entfalten: 14 vieldeutige Figurenszenen, delikat in der zarten Farbigkeit, feingliedrig in den mannigfach sich durchdringenden Formen, zu komplexen Strukturen wie von Zauberhand gesponnen. Bilder wie diese brauchen nicht notwendig ein beigegebenes Gedicht - sie sind selbst gemalte Poesie.
939
Gerhard Altenbourg
Wackel mit den Beinchen, 1973.
Tuschfederzeichnung
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 60.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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