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Auktion: 459 / Klassische Moderne I am 09.12.2017 in München Lot 116001203

 
Objektbeschreibung
Jünglinge mit Fahnen. 1935.
Öl auf Leinwand.
Wohlert 1141. Links unten mit dem ligierten Monogramm und der Datierung. Auf dem Keilrahmen betitelt. 159 x 106 cm (62,5 x 41,7 in).
Die fragmentarischen Etiketten der Galerie Commeter, Hamburg, sowie der Galerie Flechtheim, Berlin/Düsseldorf (bis 1933) auf dem Keilrahmen beziehen sich auf eine frühere, ebenfalls auf dem Keilrahmen betitelte und gestrichene "Gruppe am Meer", bei der es sich um das verschollene Gemälde "Frauengruppe am Meer" aus dem Jahr 1928 handeln könnte (vgl. Wohlert 822).
Auch das auf dem Keilrahmen angebrachte Etikett der XVII. Esposizione internationale d`arte di Venezia, 1930, muss sich auf dieses frühere Gemälde beziehen, dessen Keilrahmen Hofer für die vorliegende Komposition aus dem Jahr 1935 wiederverwendet hat. [JS].
Hofers großformatige Figurenkompositionen der 1930er Jahre gehören zu den gefragtesten Werken des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers (Nr. 377, auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Besitz Elisabeth Hofer, Witwe des Künstlers (1957, Wirnitzer-Nr. 372, auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Kunsthandel Gerd Köhrmann, Köln (seit 1966 Verwalter des Nachlasses von Elisabeth Hofer; auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Ehemals Sammlung Rolf Deyhle, Stuttgart (um 1996/97).
Villa Grisebach Auktionen, Auktion 145, Karl Hofer, Berlin, 8. Juni 2007, Los 60.
Privatbesitz Baden-Württemberg (seit 2007).

AUSSTELLUNG: Galerie Nierendorf, Berlin 1937, Nr. 26 (auf dem Keilrahmen mit dem zweifachen Etikett, u.a. Inv. Nr. 5121).
Karl Hofer anlässlich seines 75. Geburtstages, Hochschule für bildende Künste Berlin, Berlin 12. September - 15. Oktober 1953, Nr. 27 (dort unter dem Titel "Fahnenträger"; auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Gedächtnis-Ausstellung für Karl Hofer, Hochschule für bildende Künste Berlin, Badischer Kunstverein zusammen mit Staatlicher Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe 9. Dezember 1956 - 6. Januar 1957, Kat. Nr. 74 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Karl Hofer. Ölbilder, Zeichnungen, Druckgraphik der Jahre 1922 bis 1955. Der größte Teil der Ölbilder stammt aus dem Besitz der Witwe Prof. Karl Hofer und wurde bisher in der Galerie noch nicht gezeigt, Baukunst-Galerie, Köln 23. November 1972 - 20. Januar 1973, Nr. 3.
Retrospektiv-Ausstellung Karl Hofer. Ölbilder, Aquarelle, Handzeichnungen, Druckgraphik. Baukunst-Galerie, Köln 20. Januar - 5. April 1975, Nr. 11, ohne Abb. (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Karl Hofer 1878 - 1955. Stattliche Kunsthalle Berlin, Berlin 16. April - 14. Juni 1978; Badischer Kunstverein e. V., Karlsruhe 1. August - 17. September 1978, S. 173, Nr. 97.
Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstages von Karl Hofer. Ölbilder der Jahre 1918 - 1955, Baukunst-Galerie, Köln 15. September - 4 November 1978, Nr. 12.
Die Figur im Werk von Karl Hofer, Baukunst-Galerie, Köln 17. September - 13. November 1982, Nr. 3.
Zwanzig Jahre Baukunst. Das Progamm und die Künstler nach zwanzig Jahren, Baukunst-Galerie, Köln 2. November 1984 - 16. Januar 1985, S. 50, Nr. 85.
Karl Hofer 1878 - 1955, Galerie Michael Haas, Berlin 26. Januar - 16. März 1985, Nr. 4, mit Abb.
Karl Hofer. Ölbilder, Handzeichnungen, Druckgraphik, Altstadt Galerie Wiesbaden, Wiesbaden 14. Februar - 15. März 1987, S. 25, Nr. 14, mit Abb.
Karl Hofer 1878 - 1955. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau 19. Januar - 29. Februar 1992, S. 29, Nr, 26, mit Abb.
Die Sammlung Rolf Deyhle III: Karl Hofer, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Kloster Cismar, Cismar; Städtische Galerie Stuttgart und Anger Museum Erfurt, 1996/1997, Nr. 36, mit Abb. S. 54 (verso mit dem Speditionsetikett).

LITERATUR: Robert Scholz, Naturerlebnis und Formalismus, Gang durch Berliner Ausstellungen, in: Völkischer Beobachter, Nr. 20, 20.1.1937, S. 5 (Ausstellung bei Nierendorf).
Wolfgang Schimming, Das Lebenswerk Karl Hofers, in: Süddeutsche Zeitung, München, Nr. 252, 20./21. 10. 1956, S. 38.
Doris Schreiber, Totenmasken im Spiel der Liebe, Gemälde Karl Hofers in der Baukunst, in: Kölnische rundschau, Nr. 222, 24.9.1982, S. 16.
Werner Langer, In stoischer Spannung. Karl Hofer - dreißig Jahre nach seinem Tod, in: der Tagesspiegel, Berlin, , Nr. 11998, 10.3.1985, S. 5.
Thomas Gädeke, Karl Hofer in der Sammlung Rolf Deyhle, in Karl Hofer. Die Sammlung Rolf Deyhle III: Karl Hofer. S. 12.



Essay
Bereits 1913 widmet sich Karl Hofer der archaischen Motivik des Fahnenträgers in einer Folge von drei Gemälden (Wohlert 260-262), die sich heute u.a. in den Sammlungen der Städtischen Kunsthalle Mannheim und der Städtischen Museen Chemnitz befinden. Während diese durch den raschen, bewegten Strich und die aufgelösten Konturen noch die anfängliche künstlerische Auseinandersetzung mit Werken El Grecos deutlich machen, hat Hofer die fahnentragenden Jünglinge unseres eindruckvollen Gemäldes in seiner charakteristischen, reifen Bildsprache und in monumentamen Format auf die Leinwand gesetzt. Die atlethischen Körper erinnern in der kraftvollen Haltung der Fahnenstangen an die bekannte Motivik antiker Sperrträger. Der melancholische, scheinbar ins Leere schweifende Blick und die tiefverschatteten Augenhöhlen zeichnen unter anderem auch die beiden bekannten, ebenfalls 1935 entstandenen Hofer-Gemälde "Zwei Mädchen" (Wohlert 1130, Städtische Kunsthalle Mannheim) und "Zwei Frauen" (Wohlert 1133, Museum für Neue Kunst, Freibung i. Br.) aus. Während die zahlreichen Mädchenbildnisse Hofers die Dargestellten meist in häuslich-kontemplativem Kontext zeigen, wie etwa "Mädchen mit Laute" (Wohlert 981; Busch Reisinger Museum, Cambridge) oder auch "Mädchen mit Brief" (Wohlert 1064, The Cleveland Museum of Art, Cleveland), entwirft Hofer in seinen seltenen Jünglingsdarstellungen der 1930er Jahre - zu denen unser leuchtendes Gemälde und etwa auch "Knabe mit Ball" aus dem Jahr 1938 (Wohlert 1380, Museum für Neue Kunst, Freibung i. Br.) zählt, das scheinbare Paradoxon eines einerseits sportlich-aktiven und zugleich höchst kontemplativen Menschenbildes: "Hofers während des Dritten Reiches geschaffenen Werke sind in ihrer von Melancholie überschatteten, herben Schönheit, in ihrer unerbitterlichen Formstrenge ein Gegenentwurf zu den naturalistischen Banalitäten, die die neuen Machthaber unter einer `Kunst fürs Volk` verstanden." (Renate Hartleb, in: Karl Hofer. Malerei, Grafik, Zeichnung. Staatliche Galerie Moritzburg, Halle 1978, S 12). Dass Hofer seinen melancholischen Fahnenträgern darüber hinaus die zwar nicht in ihrer Gänze ersichtlichen, jedoch vom zeitgenössischen Betrachter einfach zu erschließenden Flaggen des faschistischen Italiens, des nationalsozialistischen Deutschlands und der unter der stalinistischen Sowjetherrschaft leidenden Ukraine beigibt, ist darüber hinaus ein letzter, überdeutlicher bildlicher Kommentar des suspendierten Künstlers zur bedrückenden politischen Situation.

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe
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Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 1,5% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.
116001203
Karl Hofer
Jünglinge mit Fahnen, 1935.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 140.000 - 180.000
+
 


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Karl Hofer - Jünglinge mit Fahnen - Rahmenbild
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