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Auktion: 468 / Klassische Moderne I am 09.06.2018 in München Lot 705

 
Objektbeschreibung
Ada. Um 1930/1935.
Aquarell.
Rechts unten signiert. Auf Japan. 47,5 x 35,7 cm (18,7 x 14 in) , blattgroß.
[SM].

Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther vom 26. Juli 2017.

PROVENIENZ: Dr. Emanuel Wolff, Huntingdon Valley, USA.
Privatsammlung (vom Vorgenannten durch Erbschaft erhalten).

Emil Nolde nach dem Tod seiner Frau Ada, 1946:
"Wenn ich sie, wie auch mich selbst, nicht oft gemalt habe, so doch lebt ihr feiner Sinn und ihr Wesen mit mir in allen meinen Bildern."

Aufrufzeit: 09.06.2018 - ca. 12.46 h +/- 20 Min.

Essay
Die dänische Pastorentochter wurde 1879 im Dorf Resen nahe der Nordsee am Limfjord geboren, verbrachte die Kindheit auf der Insel Fünen; nach dem Tod des Vaters zog die Familie nach Kopenhagen. Ada war sehr musikalisch, sie spielte Klavier und erhielt eine Ausbildung in Gesang, auch Schauspielunterricht bei dem dänischen Schriftsteller und Regisseur Herman Bang mit ersten Rollen am Dagmartheater. In Kopenhagen bewegte sie sich im Freundeskreis um den späteren Polarforscher Knud Rasmussen. Nach ersten, mehr zufälligen Begegnungen 1901 in Nordseeland und Kopenhagen war die "junge beginnende Schauspielerin" sogleich tief beeindruckt von der Künstlerpersönlichkeit und unkonventionellen Lebensart des weit älteren Malers. Schon im folgenden Frühjahr heirateten sie in der Kirche von Frederiksberg bei Kopenhagen, "ein einäugiger Pfarrer besorgte die Trauung", erinnert er sich. Trotz ihrer langwierigen Erkrankung, einem Nierenleiden, mit häufigen Aufenthalten in Sanatorien, ihrer späteren Herzschwäche hat sie die künstlerische Entwicklung ihres Mannes stets unbedingt und selbstlos unterstützt, den Alltag wie das wechselvolle Künstlerleben organisiert, ihren Maler auf seinen fernen Reisen etwa in die Südsee oder nach Spanien begleitet, dabei sich selbst und eigene künstlerische Ambitionen zurückgestellt. Immerhin war sie 1913 auf der Weltausstellung in Gent mit eigenen Webarbeiten vertreten und erhielt als Auszeichnung eine Silbermedaille zugesprochen. Sie starb im Herbst 1946 unvermittelt bei einem Besuch im Niebüller Krankenhaus an einem plötzlichen Herzversagen.
Das virtuos gemalte Aquarell in kräftigen, leuchtenden Farben, wohl um 1930 entstanden, zeigt Ada ganz privat in direkter Frontalsicht, gleichsam als überraschende Momentaufnahme diagonal ins Bild gesetzt. Das kontrastreiche Aquarell ist ohne graphische Elemente im Schaffensvorgang selbst allein aus dem freien, malerischen Fluss der Farben erwachsen. "Farben waren mir ein Glück, und mir war es, als ob sie meine Hände liebten", ist Nolde überzeugt. Der Maler hatte eine unmittelbar sinnliche, geradezu erotische Beziehung zur Farbe; sie wurde sein eigentliches, unabdingbares Gestaltungsmittel. Bei menschlichen Begegnungen werden selbst Stimmlagen als Farbwerte erlebt; "Dunkellila, Rostrot, Feuerrot und Graublau waren solche Stimmen", bemerkt er.
Unter Noldes Aquarellen mit konkreten wie frei erfundenen Bildnissen überwiegt bei weitem die Darstellung der Frau, doch nur eine begrenzte Zahl ist in strengem Sinn als eigentliches Porträt zu verstehen. Nolde suchte sich im Malvorgang von der äußeren Festlegung zu lösen und hat sich stets die Freiheit genommen, sich nicht eng von der Vorgabe leiten zu lassen, sondern in eigenwilliger Gestaltung das Bild zu entwickeln. Sowohl imaginativ als auch im gestalterischen Vorgang selbst suchte er einen Freiraum zu gewinnen, um allein dem persönlichen Drang und bildimmanenten Eigenheiten spontan folgen zu können. Die autonomen bildnerischen Abläufe und farblichen Klanggefüge, die von außen angestoßen sich im Malvorgang entwickelten, Zufälligkeiten und Reaktionen des Augenblicks führten zu einer eigenständigen Entfaltung des Bildes.
Prof. Dr. Manfred Reuther
705
Emil Nolde
Ada, Um 1930/1935.
Aquarell
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
+
 


Weitere Abbildungen
Emil Nolde - Ada - Rahmenbild
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