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Auktion: 449 / Klassische Moderne I am 10.06.2017 in München Lot 210

 
Objektbeschreibung
Vier Badende (Stehende und liegende weibliche Akte, Badende, Vier lebensgroße Akte auf der Wiese). Um 1910.
Leimfarbe auf Rupfen.
Von Lüttichau/Pirsig 71. Rechts oben monogrammiert. 90 x 69,8 cm (35,4 x 27,4 in).
Die Gesamtkomposition sowie die Silhouette der Akte weist deutliche Parallelen zu dem bekannten Gemälde "Das Urteil des Paris/Vier lebensgroße Akte auf der Wiese" (1913) auf, das sich heute in der Sammlung der Neuen Nationalgalerie, Berlin, befindet (vgl. von Lüttichau/Pirsig 103).
Schöne frühe Arbeit auf dem charakteristischen groben Malgrund.
Otto Muellers mehrfigurige Aktdarstellungen gelten als die gefragtesten Arbeiten des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt
.

PROVENIENZ: Galerie Fritz Gurlitt, Berlin.
Elfriede Bührmann, Soest (passives Mitglied der "Brücke"; 1914 bei der Galerie Fritz Gurlitt, Berlin, erworben, nachdem sie den Künstler persönlich kennengelernt hatte).
Julius Knop, Dortmund-Lücklenberg.
Stuttgarter Kunstkabinett, Roman Norbert Ketterer, Auktion 36, 3. und 4. Mai 1961, Kat.-Nr. 318 mit Farbtafel S. 79 (vom Vorgenannten erhalten)
Dr. Gertrud Arntz-Winter, Haag (bis 1968).
Galerie Wilhelm Grosshennig, Düsseldorf.
Privatbesitz.
Privatbesitz (1986-1997).
Villa Grisebach Auktionen, Auktion Nr. 59, Ausgewählte Werke, 28. November 1997, Kat.-Nr. 33 mit Abb.
Privatsammlung Süddeutschland (in der vorgenannten Auktion erworben).

AUSSTELLUNG: Graphische Ausstellung der Neuen Sezession, Kunstsalon Maximilian Macht, Berlin 1910, Nr. 30.
Galerie Fritz Gurlitt, Berlin 1914.
Otto Mueller, Kunstblätter der Galerie Nierendorf, Berlin 1964, S. 26, Kat.-Nr. 19 mit Abb.

LITERATUR: Lothar Günther Buchheim, Otto Mueller. Leben und Werk, Feldafing 1963, Abb. S. 17 (unter dem Titel "Badende").
Mario Andreas von Lüttichau, Otto Mueller, Köln 1993, S. 138, Abb. 62.

Essay
Otto Muellers künstlerische Progressivität ist deutlich im Jahr 1910 dokumentiert. Nachdem der junge Künstler im Anschluss an seinen Umzug nach Berlin im Jahr 1908 vergeblich versucht hatte, sich der etablierten Malerschaft der Berliner Secession anzuschließen, und zusammen mit anderen expressionistischen Künstlern von der Jury abgewiesen wurde, gründen diese gemeinsam die Neue Secession unter dem Vorsitz Max Pechsteins. Dort kommt Mueller mit den Mitgliedern der "Brücke" in Kontakt und gehört von 1910 bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1913 der bedeutenden expressionistischen Künstlergemeinschaft an. Otto Mueller, dessen malerisches Lebenswerk von einem Menschenbild fern aller Zwänge der Zivilisation geprägt ist, hat in einer sehr eigenen Interpretation dem Motiv des Aktes in der Landschaft eine völlig neue Deutung gegeben. Obwohl den Expressionisten zugeordnet, verfolgt Otto Mueller in seinen Arbeiten ein Ziel, das seinen Zeitgenossen im Wesentlichen fremd war. Die latente Bukolik, die den Themenkreis seiner Gemälde bestimmt, ist der Mittelpunkt seiner Auffassung von Menschengestaltung. Seine Gestalten vemitteln ein in sich ruhendes Beharrungsvermögen, eine Erdverbundenheit, die man in den wichtigen Werken seiner Zeitgenossen vergeblich sucht. Die technische Neuerung, in Leimfarben auf dem groben Rupfen zu malen, kam dem Bestreben nach Ursprünglichkeit und Naivität entgegen. Und so ist es gerade dieser Eindruck des Unfertigen, der Muellers malerisches Schaffen im Allgemeinen wie auch die vorliegende, in ihrer Unschärfe traumhaft entrückte Darstellung der "Vier Badenden" auszeichnet. Sie ist ein besonderes künstlerisches Zeugnis der Distanzierung Muellers von den etablierten künstlerischen Stilrichtungen der Zeit und seines ganz individuellen Aufbruchs in die Moderne. Auch wenn in der Komposition und der pastelligen Farbgebung auf den ersten Blick noch gewisse Parallelen zu den impressionistischen Vorgängern sichtbar sind, emanzipiert sich Mueller nicht nur durch die "Rohheit" der Ausführung, sondern auch durch die besondere Farbgestaltung zugleich aufs Deutlichste von denselben: Landschaft und Figuren setzt Mueller mit derselben Farbpalette auf die rauhe Leinwand und schafft so eine entrückte Komposition, deren Akzent ganz auf der dunklen Kontur der Körper und dem Schwarz der Haare liegt. Otto Mueller hat in diesem Werk seine Figuren bewusst in eine imaginäre Landschaft gestellt, um so ihre Bedeutung zu unterstreichen. Er reduziert seine Aktkompositionen auf das Einfach-Natürliche. Seine Gestalten sind sich ihrer Körperlichkeit bewusst und in ihrem Dasein ohne Zweifel. Sie sind die Verkörperung einer scheinbar unerreichbaren Idylle der Zwanglosigkeit inmitten einer sich hektisch erneuernden urbanen Umwelt der unerfüllten Sehnsüchte.

210
Otto Mueller
Vier Badende (Stehende und liegende weibliche Akte, Badende, Vier lebensgroße Akte auf der Wiese), Um 1910.
Leimfarbe auf Rupfen
Schätzung:
€ 300.000
Ergebnis:
€ 350.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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Otto Mueller - Vier Badende (Stehende und liegende weibliche Akte, Badende, Vier lebensgroße Akte auf der Wiese) - Rahmenbild
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