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Auktion: 455 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 24.11.2017 in München Lot 52

 
Objektbeschreibung
Dissonanz. Um 1900.
Öl auf Malpappe.
Vgl. Voss 274, 366 - 369. Vgl. Singer 21 und 22. Rechts unten signiert. 46 x 36 cm (18,1 x 14,1 in).
Verso handschriftlich in Blau bezeichnet "Nr. 1". Mit Künstlerrahmen. [CB].

Mit einer Fotoexpertise von Albert Ritthaler, Hamburg, vom 9. Oktober 2017.

PROVENIENZ: Galerie Knüppel & Co., Berlin (verso mit dem Etikett).
Privatsammlung Süddeutschland.

Essay
Der Pan ist das vielleicht bekannteste Motiv in Franz von Stucks Œuvre, das zahlreiche Gestalten der griechischen-römischen Mythologie aufweist. Schon zu Beginn seiner Karriere ist die Figur des Pan (oder römisch Faun) auffällig häufig in seinen Werken zu finden, so in den frühen Grafiken für die Mappen "Allegorien und Embleme" (1882-1884) und "Karten & Vignetten" (1886). Ab 1889 erscheint Pan dann auch als Gemäldemotiv in verschiedensten Variationen, die sich an den klassischen Erzählungen anlehnen. Diese intensive Auseinandersetzung mit der mythologischen Figur macht den Künstler früh weithin bekannt und Pan zu einem auch bei anderen Künstlern beliebten Motiv. "Schließlich sorgt die von 1895 bis 1900 erscheinende Zeitschrift 'Pan', zu deren Initiatoren Stuck zählte und deren Titelblatt von ihm entworfen worden war, endgültig für die Gleichsetzung Stucks mit Pan und die Popularität des Naturgottes als Sujet." (Alexander Klee, in: Ausst.-Kat. Sünde und Secession. Franz von Stuck in Wien, Belvedere, Wien 2016, S. 39).
Pan (oder Faun) ist der Gott der Natur, der Wiesen und Wälder. Seine Gestalt ist ein Mischwesen mit menschlichem Oberkörper und Ziegenbockbeinen. Er beschützt die Hirten und ihre Tiere, erfreut mit Musik und Tanz und wird mit Fruchtbarkeit, Ekstase und Wollust assoziiert. Grundlage des hier dargestellten Themas, das Stuck erstmals um 1910 aufgreift ("Syrinxblasender Faun mit zwei Faunkindern" und "Musikstunde"), ist eine von Theokrit überlieferte Begebenheit: Pan soll Daphnis, dem ausgesetzten Sohn des Hermes, der als Hirtenjunge aufwuchs, das Flötenspiel gelehrt haben. Ikonografisch ist dieses Motiv von der antiken Skulptur des Heliodorus von Rhodos und deren römischen Kopien geprägt. Fotografien vom nackten Stuck in der Pose des Barberinischen Fauns (Glyptothek München), Studienzeichnungen sowie mehrere Öl-Varianten belegen die intensive Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Thema. Stuck orientiert sich zunächst noch an den klassizistischen Vorbildern, "beließ es jedoch nicht bei den antiken Zitaten, sondern nahm ihnen durch ironische Überzeichnung die humanistische Getragenheit und machte sie zur frei verfügbaren, künstlerisch umdeutbaren Ressource. Seine Tätigkeit für die satirischen Zeitschrift 'Lustige Blätter' dürfte ihn in solcher Vorgehensweise geschult haben." (Klee, Ausst.-Kat. 2016, S. 44). Zwar übernimmt Stuck in der endgültigen Version die Anordnung der nebeneinandersitzenden Figuren, macht den jugendlichen Daphnis allerdings zu einem kleinkindhaften Knaben, der unbeholfen in die Panflöte bläst, so dass sich der gequälte Pan mit großer Geste die Ohren zuhalten muss. Gerade im Hinblick auf die Entstehungszeit des Werks um 1910 könnte die Darstellung als eine ironische Interpretation der Beziehung Stucks zu seinen Schülern gesehen werden. So bringt der erfahrene und etablierte Lehrer Stuck wenig Verständnis für die avantgardistischen, in seinen Ohren gar dissonanten Experimente seiner Schüler auf. In erster Linie sei dabei auf die ehemaligen Stuck-Schüler Kandinsky und Klee verwiesen, die in jener Zeit als "Blaue Reiter" den Weg vom Expressionismus in die Abstraktion beschritten.
Die großformatige, wohl endgültige Fassung der "Dissonanz" befindet sich heute in der Villa Stuck in München.
52
Franz von Stuck
Dissonanz, Um 1900.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 93.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


Weitere Abbildungen
Franz von Stuck - Dissonanz - Rahmenbild
Rahmenbild
 
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