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Auktion: 455 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 24.11.2017 in München Lot 117002014

 
Objektbeschreibung
Scherzo. 1909.
Öl auf Malpappe.
Vgl. Voss 339 und 340. Rechts unten signiert und datiert. 31,8 x 34,8 cm (12,5 x 13,7 in).
Verso mit verschiedenen handschriftlichen Bezeichnungen und Nummerierungen. Mit originalem Künstlerrahmen.
Eigenständige Ölstudie zu dem gleichnamigen, großformatigen Gemälde, das sich heute in der Gallerie d'Arte Moderna des Civico Museo Revoltella in Triest befindet (Voss 340). [CB].

PROVENIENZ: Galerie Gunzenhauser, München (1981).
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Franz von Stuck. Ölbilder. Zeichnungen. Skulpturen, Galerie Gunzenhauser, München, 1. Oktober bis 3. Dezember 1981, Kat.Nr. 9, Farb-Abb. S. 4.

LITERATUR: Claudia Gross-Roath, Das Frauenbild bei Franz von Stuck (Diss. Bonn 1998), Weimar 1999, S. 221 (ohne Abb.).

Essay
"Die Pane, Nymphen und Kentauren, die in Stucks Bildern als handelnde Personen auftreten, sind zwar Gestalten aus der griechischen Mythologie, spielen dort aber nur eine untergeordnete Rolle. […] Pan ist der griechische Hirtengott. Seine hervorragendste Eigenschaft ist die sexuelle Potenz […] Auch bei Stuck verkörpert Pan die sexuelle Freiheit. Doch diese ist bei ihm nicht in Gegensatz zu der durch die Zwänge der Kultur unterdrückten Sexualität des Menschen gebracht, sondern ästhetisch mit ihr verbunden. Seine Pane benehmen sich so, wie Schulbuben oder verliebte Jünglinge sich benehmen würden, bestünden nicht gesellschaftliche Konventionen, die sie daran hinderten. Es handelt sich bei Stuck nicht wie in der Antike um Verehrung der Naturkräfte Sexualität und Fruchtbarkeit, deren Macht man sich ausgeliefert wusste und die man wegen ihrer Allgewalt und Undurchschaubarkeit wie etwas Fremdes nach außen in die Welt der Götter und Naturgewalten transportierte. Bei Stuck wird Pan zu einer geselligen Person, die immer auf Spaß, erotische Scherze und amouröse Abenteuer aus ist. Er verliert damit sein einzelgängerisches Wesen, das ihn die Menschen meiden ließ, und bekommt etwas von einem modernen sexuellen Libertin. Pan behält so einerseits die Bedeutung 'des schweifenden Triebes', wodurch er zum Symbol präsozialer Sexualität wird, andrerseits kennzeichnet ihn aber sein Verhalten auch als Mitglied der modernen Gesellschaft. In den meisten Bildern von Stuck spielt Pan die Rolle des Verliebten oder des Eroberers. Seine sexuellen Partnerinnen sind die Nymphen […]. Meist sind sie die erotischen Gespielinnen des verliebten Pan. Wie modern Stuck solch ein erotischen Spiel zuweilen auffasst, macht das Bild 'Scherzo' von 1909 deutlich. […] Weder die menschliche Umgebung, in der sich das Scherzo abspielt, noch das Verhalten der Nymphen, die als wirkliche Nymphen natürlich keine Garderobe brauchen könnten, lassen eine eindeutige Interpretation des Bildes als Ausdruck antiker Lebensfreude zu. Ebensowenig aber können die Akteure einfach als ausgelassene zeitgenössische Bürger aufgefasst werden, denn eine solche Deutung wird durch die mythologische Verkleidung verhindert. Dadurch, dass aber doch beides gemeint ist, wird das Bild ambivalent. Dasselbe Thema, in antikem Milieu und mit antiken Darstellern gemalt, wäre dem zeitgenössischen Betrachter fremd geblieben wie eine Welt, die unwiederbringlich verloren ist und der man nur noch nachtrauern kann. Die Alternative dazu, nämlich die Szene in einem bürgerlichen Boudoir mit Damen und Herren der Gesellschaft spielen zu lassen, wäre dagegen als Pornographie nicht salonfähig gewesen. Indem Stuck versucht, zwischen diesen beiden extremen Positionen zu vermitteln, entwirft er das Modell einer sexuellen Utopie. Seine Bilder zeigen eine Welt, in der die Menschen von Unterdrückung durch die Sexualität befreit sind. […] Die mythologischen Gestalten in den Bildern von Stuck haben also eine zweifache Aufgabe, einerseits infolge ihrer modernen Umdeutung es dem zeitgenössischen Betrachter möglich zu machen, sich mit ihnen zu identifizieren, andrerseits aber den Inhalt des Bildes als Utopie auszuweisen." (Heinrich Voss, Franz von Stuck (1863-1928). Werkkatalog der Gemälde mit einer Einführung in seinen Symbolismus, Reutlingen 1973, S. 16f.).

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117002014
Franz von Stuck
Scherzo, 1909.
Öl auf Malpappe
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
+
 


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