Ketterer Kunst Logo

Detailsuche

Auktion: 459 / Klassische Moderne I am 09.12.2017 in München Lot 117002036

 
Objektbeschreibung
Junge Kuhhirtin. 1896.
Farbiges Pastell auf braunem Papier, alt auf Keilrahmen montiert.
Rechts unten signiert und datiert. 55 x 77 cm (21,6 x 30,3 in), blattgroß.
Eine Vorform des Sujets mit der grasenden Kuh im Gegensinn findet sich in dem Gemälde von Liebermann, das er bereits 1884 in Laren mit der Kuh begonnen und ca. 1886 um die Figur des strickenden Mädchens ergänzt hat (Eberle 1884/16). Diese hat Liebermann in dem von 1891 bis 1894 ausgeführten Gemälde "Die Kuhhirtin" (Eberle 1891/5, Kunsthalle Bremen) weiterentwickelt, das im Hintergrund durch ein undurchsichtiges Gehölz begrenzt wird und aufgrund seiner undurchsichtigen Farbigkeit kritisiert und von Liebermann deshalb mehrfach überarbeitet wurde. Neben der Gemäldeausführung sind laut Eberle (vgl. Eberle 1891/5) noch drei Pastell-Varianten dieses Sujets bekannt, die in den Jahren 1896/97 entstanden sind und zu denen neben unserem luftigen Pastell auch das nahezu motivgleiche, jedoch noch in gedeckterer Farbigkeit und mit reduzierten Lichtreflexen umgesetzte Pastell "Hirtin und Kuh auf einer baumlosen Weide" (Puschkin Museum, Moskau) zählt.
"Selbst die einfachsten seiner Schöpfungen, wie etwa die 'Kuhhirtin' […], die durch ihren Inhalt harmlos erscheinen könnten, erhalten durch die Darstellungsweise etwas Erhabenes, Monumentales." (zit. nach: Hans Rosenhagen, Liebermann, Knackfuß-Künstler-Monographie XLV, Bielefeld/Leipzig 1900, S. 101).
Leuchtendes, großformatiges Pastell von gemäldehafter Wirkung des Meisters des deutschen Impressionismus. Arbeiten dieser Qualität sind heute auf dem internationalen Auktionsmarkt höchst selten
.

PROVENIENZ: Sammlung Hans Weidenbusch, Wiesbaden, Auktionshaus Heberle, Köln, 5. Juni 1899, Los 14 (unter dem Titel "Auf der Heide").
Privatbesitz Berlin (1900, Angabe bei H. Rosenhagen).
Sammlung Bruno und Sadie Adriani, Berlin und Monterey/Kalifornien (der Jurist und Kunstsammler Bruno Adriani war ab 1910 in Potsdam als Rechtsanwalt tätig und hat in den Folgejahren eine umfangreiche Gemäldesammlung zusammengetragen, die er nach seiner Emigration im Jahr 1936 schließlich zum Großteil in den 1960er Jahren den Fine Arts Museums of San Francisco vermacht hat).
Rosemarie Adriani Chamberlain, Los Angeles (vom Vorgenannten durch Erbschaft erhalten).
Privatsammlung Los Angeles (vom Vorgenannten zwischen 1985 und 1989 als Geschenk erhalten).

LITERATUR: Hans Rosenhagen, Liebermann, Knackfuß-Künstler-Monographie XLV, Bielefeld/Leipzig 1900, Abb. 87, S. 83 (dort unter dem Titel "Mädchen mit Kuh" sowie fälschlicherweise unter 1897 verzeichnet).

Essay
Die Aufenthalte in den Niederlanden hatten einen starken Einfluss auf das malerische Werk von Max Liebermann. Nicht nur, dass er dort seine Sujets der ländlich bäuerlichen Bevölkerung findet, sein Malstil wird freier, ungezwungener und vom Ballast des historischen Realismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts befreit. In Holland widmet Liebermann seinem Umfeld eine besondere Beachtung, besonders wenn er die ländliche Bevölkerung bei ihren typischen Tätigkeiten beobachtet und auf seine von einer besonderen Empathie geprägte Weise schildert. Es sind die unspektakulären Ereignisse, das Alltägliche, das Liebermann in einer eher nüchteren Weise festhält, um ihm dadurch umso mehr Bedeutung zu geben. Die Figur der strickenden Kuhhirtin hat Liebermann bereits öfter skizziert, doch die Ölstudie auf Karton von 1886 (Eberle 1886/12) ist das eigentliche Vorbild, das er nun in anderem Zusammenhang, auch auf Anregung durch die Arbeiten des niederländischen Malers Anton Mauve, in dem vorliegenden Sujet neu interpretiert. Der Heroismus des Naturgegeben-Einfachen der bäuerlichen Landarbeit wird geschildert, ohne ihn pathetisch-religiös zu überhöhen, wie es etwa bei Jean François Millet zu beobachten ist. Max Liebermanns technisch herausragende Malweise kommt auch in diesem Pastell zum Tragen, das aufgrund seines typischen und in gemäldeähnlicher Präsenz ausgeführten Sujet einen besonderen Platz im malerischen Werk des Künstlers einnimmt.

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe
Dieses Objekt wird differenzbesteuert, zuzüglich einer Einfuhrumsatzabgabe in Höhe von 7 % (Ersparnis von etwa 5 % im Vergleich zur Regelbesteuerung) oder regelbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 32 %, Teilbeträge über € 500.000 27 % Aufgeld
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20% Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 1,5% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.
117002036
Max Liebermann
Junge Kuhhirtin, 1896.
Pastell
Schätzpreis: € 150.000 - 180.000
+
 


Weitere Abbildungen
Max Liebermann - Junge Kuhhirtin - Weitere Abbildung
Weitere Abbildung
Max Liebermann - Junge Kuhhirtin - Weitere Abbildung
Weitere Abbildung
Max Liebermann - Junge Kuhhirtin - Weitere Abbildung
Weitere Abbildung
Max Liebermann - Junge Kuhhirtin - Weitere Abbildung
Weitere Abbildung
Max Liebermann - Junge Kuhhirtin - Weitere Abbildung
Weitere Abbildung
Max Liebermann - Junge Kuhhirtin - Weitere Abbildung
Weitere Abbildung
Max Liebermann - Junge Kuhhirtin - Weitere Abbildung
Weitere Abbildung
 
Angebote zu Max Liebermann
Artverwandte Angebote
Max Liebermann - Verkaufte Objekte