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Auktion: 459 / Klassische Moderne I am 09.12.2017 in München Lot 633

 
Objektbeschreibung
Zigeunermadonna (Zigeunerin mit Kind vor Wagenrad). 1926/27.
Farblithografie von 3 Steinen in Grün aquarelliert.
Karsch 168. Signiert . Unikat. Auf bräunlichem Velin. 70 x 50,4 cm (27,5 x 19,8 in) , blattgroß.
Das Hauptblatt aus der 1927 erschienen Folge, die unter dem Titel "Zigeunermappe" als wichtigste graphische Arbeit Otto Muellers gilt. [EH].
Aquarelliertes Unikat. Eines der wenigen zu Lebzeiten verkauften Blätter. Otto Mueller signierte seine Blätter erst beim Verkauf..

PROVENIENZ: Sammlung Heinrich Neuerburg (mit dem Trockenstempel (Lugt 1344a) und der handschriftlichen Bezeichnung "4" links unten und bei dem Trockenstempel).
Privatsammlung Rheinland.

"Otto Muellers 'Zigeunermappe' [..] verrät nicht nur seine besondere Zuneigung zum Volk der Roma, sie ist das Meisterwerk seiner Druckgraphik und ein Höhepunkt des expressionistischen Steindrucks"
Heinz Spielmann, in: Die Maler der Brücke - Bestandskat.Slg.Hermann Gerlinger, Halle S. 2005, S.416

Essay
Die sogenannte "Zigeunermappe" ist die letzte große grafische Leistung von Otto Mueller. Mit besonderer Hingabe arbeitet der Künstler an dieser Folge. An Maschka Mueller, seine geschiedene Frau in erster Ehe, schreibt er: "Ich bin sehr in Arbeit mit den farbigen Lithos, die werden sehr schön. Zwei hab' ich schon fertig. Muß noch sieben für die Mappe machen. Die Arbeit ist mir wieder etwas ganz Neues. Wenn ich einige fertig habe, schick' ich Dir Probedrucke" (zit. nach: Lothar-Günther Buchheim, Otto Mueller - Leben und Werk, Feldafing 1963, S. 184). Otto Mueller überarbeitet die einzelnen Blätter nach dem Druck teilweise und vollkommen unterschiedlich mit Aquarellfarben oder Kreiden, so erhalten die Blätter jeweils einen ganz eigenen Reiz und Charakter und jedes für sich ist einzigartig. Unbestritten kann das Blatt "Zigeunermadonna" als Hauptblatt der Folge bezeichnet werden. Otto Mueller adaptiert den tradierten Topos der Mariendarstellung in diesem Blatt, unweigerlich wandelt sich das Wagenrad hinter dem Kopf zum Strahlenkranz und die Zigeunerfrau mit dem Kind zur Maria mit dem Jesuskind. Er greift nicht ohne Bedacht auf diese Vorlage zurück, damit hebt er die Darstellung bewußt und herausfordernd auf eine höhere, transzendentale Ebene, hat er sich doch dem Volk der Roma sehr verbunden gefühlt.
Zur Entstehungszeit der "Zigeunermappe" ist der Künstler bereits schwer erkrankt und setzt große Hoffnungen in den guten Verkauf des Mappenwerks, die sich leider nicht erfüllen. Wenige der Mappen sind in ihrer Gesamtheit erhalten geblieben und kaum eine ist in den freien Verkauf gelangt. So veräußert er aus wirtschaftlichen Gründen Einzelblätter: unser Blatt ist durch die Signatur Otto Muellers als eines der wenigen gekennzeichnet, die noch zu Lebzeiten des Künstlers einen neuen Besitzer fanden.
633
Otto Mueller
Zigeunermadonna (Zigeunerin mit Kind vor Wagenrad), 1926/27.
Farblithografie
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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