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Auktion: 455 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 24.11.2017 in München Lot 55

 
Objektbeschreibung
Bildnis der Tochter Mary. Um 1906.
Pastell und Gouache.
Vgl. Voss 365. Rechts unten signiert. Auf festem Karton. 54 x 47 cm (21,2 x 18,5 in).
[CB].
Dieses Porträt befindet sich nahezu seit seiner Entstehung in Familienbesitz und wird nun erstmals seit etwa hundert Jahren wieder öffentlich angeboten.

PROVENIENZ: Galerie Gustav Gerstenberger, Chemnitz (verso mit dem Etikett).
Privatsammlung Süddeutschland (bei Vorgenannter in den 1910/20er Jahren erworben, seitdem in Familienbesitz).

"Der Zeichner Stuck war vor dem Maler fertig."
Otto Julius Bierbaum, Stuck, Bielefeld und Leipzig, 1899.

Essay
Franz von Stuck ist bereits seit den 1880er Jahren über München hinaus als hervorragender Zeichner unter anderem für die „Fliegenden Blätter“ bekannt. Erst später wendet er sich der Ölmalerei zu, doch bleibt die Zeichnung für ihn auch in den folgenden Jahrzehnten ein wichtiges Mittel zur Findung des Motivs und der Kompositionsvorbereitung. Auch das Pastell, quasi als Vermittler zwischen der Zeichnung und der Ölmalerei, wählt Stuck besonders gerne als Technik für Porträts, erlaubt es ihm doch einerseits die feine detailreiche Zeichnung, andererseits eine intensive Farbigkeit bei ansprechendem Großformat. Auffallend häufig verwendet Stuck eben jene Pastellfarben für die technisch brillanten Porträts seiner Tochter. Mary, Stucks einziges leibliches Kind, wird 1896 in München geboren und stammt aus Stucks Liebesbeziehung zu Anna Maria Brandmaier. Als Stuck 1897 die vermögende Amerikanerin Mary Lindpaintner heiratet, adoptiert diese Mary einige Jahre später. Stuck malt seine Tochter immer wieder, sie sitzt ihm Modell für die zahlreichen Porträts, die in den folgenden Jahren entstehen. Oft stellt er Mary in spanischen Kostümen oder Biedermeierkleidern dar, die sich in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg großer Beliebtheit erfreuten. Auf dem hier angebotenen Werk porträtiert Stuck seine Tochter "en face", also in direkter Frontalansicht. In den Gesichtszügen ist noch das Kindlich-Naive zu erkennen, gleichzeitig strahlt der offene, direkte Blick bereits ihr starkes erwachsenes Selbstbewusstsein aus. Mit fein modellierender Malweise erfasst der Zeichner Stuck die Gesichtspartien, den leichten Rüschenkragen deutet er mit nur wenigen Strichen an. Einen reizvollen Kontrast zum zarten Pastell bildet die ungrundierte Oberfläche der Malpappe, die sich jedoch farblich äußerst harmonisch in die Gesamtkomposition einfügt. Zum Entstehungszeitpunkt des Porträts steht Franz von Stuck im Zenit seines Ruhmes und wird mit Ehrungen überhäuft. Stolz präsentiert er auf diesem Porträt seine hübsche, fast erwachsene Tochter Mary.
55
Franz von Stuck
Bildnis der Tochter Mary, Um 1906.
Pastell
Schätzung:
€ 7.000
Ergebnis:
€ 16.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


Weitere Abbildungen
Franz von Stuck - Bildnis der Tochter Mary - Rahmenbild
Rahmenbild
 
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