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Auktion: 470 / Kunst nach 1945 I am 09.06.2018 in München Lot 863

 
Objektbeschreibung
Adrénalogic Débauche. 1966.
Acryl auf Papier, fest auf Leinwand aufgezogen.
Rechts unten signiert und datiert. 34 x 41,5 cm (13,3 x 16,3 in).
[EH].

Das Gemälde ist im Museum Jorn, Silkeborg, verzeichnet.

PROVENIENZ: Makler Gallery, Philadelphia.
Christie's, London, 12. Dezember 1997, Lot 133.
Europäische Privatsammlung.

Essay
Mitte der 1960er Jahre hat Asger Jorn zwischen seinen Ateliers in Italien, in Paris, London und München eine seiner umherschweifenden Existenz angepasste Arbeitsweise „on the road“ perfektioniert. Oft ist er mit angefangenen Bildern unterwegs, die an einem Ort begonnen, am nächsten beendet werden. Die aus dem Leben erwachsene Situation des "in between“ weiß er produktiv für seine Bilderfindungen zu nutzen. 1965 stellt er zum ersten Mal sein paradigmatisches Bild „Ein Draußenstehender" aus, das sich heute als Teil der Sammlung Otto van de Loo in der Nationalgalerie Berlin befindet. Das „Selbstporträt als Einäugiger“ sollte die Prophezeiung für das Spätwerk werden. An den verschiedenen Orten entwickeln sich die begonnenen Bilder in und aus dem neuen Zusammenhang, meist in improvisierten Ateliers und oft für unmittelbar bevorstehende Ausstellungen. Ein einziges Atelier, in dem sich Dutzende fertige Bilder stapeln, konnte es schon wegen Jorns vielfältigen Engagements und Verpflichtungen in mehreren Ländern Europas nicht geben. Oft sind die Farben der letzten Bilder bei der Ausstellungseröffnung kaum mehr als oberflächlich trocken. Als Mitte der 60er Jahre die Malerei mit den zunächst noch sehr teuren Acrylfarben auch in Europa mögliche Praxis für Künstlerinnen und Künstler wird, ist Jorn umgehend bereit, die Leuchtkraft der mit Polymeren gebundenen Pigmente, die auch verdünnt ihre Farbintensität behalten und schnell trocknen, als nutzbare Möglichkeit zu erkennen. In einer ersten Kaskade entstehen 1966 in London in rascher Folge zahlreiche Arbeiten, in denen es Jorn gelingt, die bisher vor allem bei großformatigen Wandmalereien geübte Leichtigkeit mit der Idee des „first thought, best thought“ zu verbinden. Die Papierarbeiten von Jorn bilden, wie bei vielen Künstlern seiner Generation, ein ganz eigenes Arbeitsfeld, sind nicht mehr nur „vorbereitende Skizzen“, sondern in ihrer Unmittelbarkeit vom Tempo bestimmte Werkgruppen mit eigener Berechtigung. Zumeist werden die Blätter unmittelbar nach ihrer Fertigstellung von den Galerien als „marouflée sur toile“, d. h. auf Leinwand aufgezogen, angeboten, wie es in Paris und London längst gute Tradition im Umgang mit wertvollen und dem Anspruch nach voll gültigen Malereien auf Papier ist. „Adrénalogic Débauche" kann dem Wortspiel des Titels folgend als Blatt „von Adrenalin gesättigter, verschwenderischer Fülle“ interpretiert werden. Die „grünen Haare“ machen das angedeutete Gesicht jenseits jeder „Normalität“ zum Wiedergänger in so wichtigen Bildern wie „Echter Kobold“ oder „Ein Draußenstehender." Die „verschwenderische Fülle“ der ungemischten Primärfarben wird zum Spiegelbild und Resümee eines zwischen Verdichtung eigener Ideen und Vergeblichkeit des Tuns oszillierenden Lebens, ein selbst gewähltes Exil, in dem mutwillig Verständnis noch am Rand der Gesellschaft eingefordert wird. Mit einem Augenzwinkern hört man Jorn Ende der 60er Jahre sagen: „Die Künstler, es ist nicht die Frage, ob sie nötig sind, sie sind möglich – hier in Europa.“ [AH]
863
Asger Jorn
Adrénalogic Débauche, 1966.
Acryl
Nachverkaufspreis: € 27.000
+
 


Weitere Abbildungen
Asger Jorn - Adrénalogic Débauche - Rahmenbild
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