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Auktion: 470 / Kunst nach 1945 I am 09.06.2018 in München Lot 898

 
Objektbeschreibung
Labas. 1984.
Öl auf Holz.
Rechts unten signiert und datiert. 125 x 170 cm (49,2 x 66,9 in).
Verso mit einer weiteren Komposition in gleicher Technik.

Die Arbeit ist im Archiv der Emil Schumacher Stiftung, Hagen, unter der Nummer "0/384" verzeichnet. Wir danken Herrn Dr. Ulrich Schumacher für die freundliche Beratung.

PROVENIENZ: vormals Sammlung Ulrich Urban (auf dem Keilrahmen mit dem Stempel und dem handschriftlichen Vermerk).
Galerie Stefan Röpke, Köln (auf dem Keilrahmen mit dem Stempel).
Privatsammlung (1999 vom Vorgenannten erworben; seit 2016 als Leihgabe im Angermuseum, Erfurt).

AUSSTELLUNG: Von Nay bis Altenbourg. Meisterwerke der deutschen Nachkriegsmoderne aus einer Privatsammlung, Angermuseum, Erfurt, 5.6.-10.09.2016, Farbabb. S. 147.
Angermuseum Erfurt (2016 bis heute; als Leihgabe aus Privatbesitz).

"Bildmaterial und Bildmaterie: das eine steht am Anfang, das andere am Ende. Das Material bedeutet Inspiration und Widerstand zugleich. Aus dem Wesen, aber auch am Widerstand des Materials formt sich das Bild. Der Charakter des Bildes kann nicht nur der seiner Materialien sein."
Emil Schumacher, 1972, zit. nach: Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, München 1988/92, S. 2.

Essay
Um 1950 findet ein radikaler Umbruch in Emil Schumachers Werk statt, der ihn fortan zu einem der bedeutendsten Vertreter des deutschen Informel machen sollte. Er verabschiedet den Gegenstand als Bildmotiv und entscheidet sich für die reine Ausdruckskraft der Farbe. Diese künstlerische Entwicklung vollzieht sich im Kontext eines Zeitstils, der von der französischen École de Paris, dem Tachismus und vom amerikanischen Action-Painting geprägt ist. Zeigen sich die Arbeiten in der ersten Hälfte der 1950er Jahre noch durchaus von den gestischen Ausdrucksmitteln des Tachismus beeinflusst, so findet Schumacher gegen Ende des Jahrzehnts zu seiner ganz eigenen abstrakten Bildsprache: Zunehmend wird der Dualismus von Grund und malerischer Form aufgehoben und die kompositionelle Gliederung zugunsten einer homogenen Farbschicht in den Hintergrund gedrängt. Schumachers Leinwände gewinnen an Plastizität. Wie auch das vorliegende Werk deutlich macht, wird das Bild längst nicht mehr im Sinne der Renaissance als Fenster in eine gemalte Wirklichkeit verstanden, sondern vielmehr zum Träger einer haptisch erfahrbaren Farbmentalität gesteigert. Schumacher lässt der Farbe stets Freiheit, lässt es zu, dass sie Charakter annimmt. Um größtmögliche Materialität zu erreichen, mischt Schumacher - wie in unserer großformatigen Arbeit - die Farbe mit Sand, bevor er sie pastos auf den Malgrund aufträgt. Schumachers Malweise ist in hohem Maße von einer Eigendynamik und Eigengesetzlichkeit geprägt, die der Künstler mit folgenden Worten beschreibt: "Meist beginnt es mit einem Stupps, den ich [..] mit einem Pinsel, in Farbe getaucht, gebe, oder mit einer Kreide, und dann ist zumeist kein Halten mehr. Es hat mich ergriffen, und alles Weitere ist eine Folge von Tun und Lassen" (zit. nach: Emil Schumacher, Ausst.-Kat. Annamarie M. Andersen Kunsthandel, Zürich 1993, S. 4).
Werke Emil Schumachers befinden sich heute in zahlreichen bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen, wie der Tate Collection, London, dem Museum für Moderne Kunst, Wien, und dem Sprengel Museum, Hannover. [JS]
898
Emil Schumacher
Labas, 1984.
Öl auf Holz
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 162.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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