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Auktion: 479 / Klassiker des 20. Jahrhunderts I am 08.12.2018 in München Lot 872

 
Objektbeschreibung
Gletscher im Engadin. 1938.
Mischtechnik auf Hartfaserplatte.
Löffler 1938/9, mit ganzseitiger sw-Abb. S. 134. Links unten monogrammiert und schwer leserlich datiert. 80 x 70 cm (31,4 x 27,5 in).
Verso mit einer Baumstudie in Kohle.
Schönes, frühes apokalyptisches Landschaftsgemälde.

PROVENIENZ: Galerie Gunzenhauser, München.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.
Privatsammlung USA.

LITERATUR: Mosheh Tuskerman (Hrsg.), Geschichte und bildende Kunst, Göttingen 2006, S. 172f., mit Abb.
"Am Ende ehrten ihn alle [..] als der Schock des apokalyptischen Spiegelbildes von der Kunstgeschichte in beruhigende Distanz zurückgenommen worden war, hielt man die Zeit wohl leichteren Gewissens für gekommen zu Lobpreis in Kaisersälen und wohlgeordneten Festreden über ein Werk, das das Chaos des bürgerlichen Untergangs in sich trug."
Thomas Schröder, Otto Dix. Zum Todes des Malers, in: Die Welt, 28. Juli 1969.



Essay
1933 wird Otto Dix aus seiner Professur an der Dresdner Akademie entlassen und erhält als "unerwünschter Künstler" schließlich Ausstellungsverbot. Er zieht daraufhin nach Randegg bei Singen, drei Jahre später nach Hemmenhofen am Bodensee. Mit der "inneren" Emigration von Otto Dix in der Zeit des Nationalsozialismus beginnt ein neues Kapitel im malerischen Werk des Künstlers. Der Großstadt entzogen, die ihm die Themen zu seinen hintergründigen Menschengestaltungen liefert, sucht Otto Dix nun, auch unter dem Zwang der politischen Vorgaben, in der Landschaft sein neues künstlerisches Ausdrucksmittel zu entdecken. Die Landschaftsbilder der späten dreißiger und der vierziger Jahre zeigen einen scheinbar gewandelten Künstler, der nun in fast altmeisterlicher Manier, beeinflusst von der Donauschule des 16. Jahrhunderts, allen voran von der Malerei Albrecht Altdorfers und Martin Schongauers, seine Motive sucht. Doch die nur vordergründig harmlosen Landschaften haben ihre eigene Dynamik. Da ist auf der einen Seite die sichtbar malerische Perfektion, mit der Otto Dix seine Landschaften ausstattet, und zum anderen eine geheime, fast mystische Botschaft, die über allen diesen Landschaften zu schweben scheint und deren Entschlüsselung dem Betrachter Rätsel aufgibt. Trotz ihrer scheinbaren Naturnähe sind diese Landschaften lediglich auf der Basis von zeichnerischen Naturbeobachtungen komponiert und entstehen dann aber schließlich im Atelier. Diese mystischen Landschaften hat Dix gleichsam als Metapher für eine dem Untergang geweihte Welt komponiert. In altmeisterlicher Feinmalerei wird jedes Detail der Vegetation - Äste, Blattwerk, Berge und Eis - in geradezu übersteigerter Realitätstreue wiedergegeben. Und so zeichnen sich auch diese geradezu apokalyptisch erscheinenden Landschaften den vorangegangenen figürlichen Darstellungen des Künstlers entsprechend durch eine starke gesellschaftskritische Komponente aus. "Gletscher im Engardin" ist mit seinen sich hinter einer absterbenden Lärche zu einem unheilvollen Ganzen zusammenbrauenden Wolken- und Eismassen ein besonders schönes Beispiel für diese visionären Landschaftsgemälde von Otto Dix. [JS]
872
Otto Dix
Gletscher im Engadin, 1938.
Mischtechnik
Schätzung:
€ 180.000
Ergebnis:
€ 387.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


Weitere Abbildungen
Otto Dix - Gletscher im Engadin - Rahmenbild
Rahmenbild
 
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