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Auktion: 479 / Klassiker des 20. Jahrhunderts I am 08.12.2018 in München Lot 801

 
Objektbeschreibung
OBU. 1948.
Mischtechnik . Öl und Kunstharz auf Karton.
Beye/Baumeister 1019. Links unten signiert. Verso betitelt und datiert sowie gewidmet. 45,5 x 54 cm (17,9 x 21,2 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung.
Galerie Hella Nebelung, Düsseldorf.
Privatsammlung Nordrhein-Wesfalen.

"Auch meine Figuren wollen lebendig sein, wirklich sein. Wirklicher , wenn es möglich wäre, als die Natur. Wirklicher als die Figuren der alten Kulturen oder der Naturvölker. Noch viel wirklicher und lebensnäher, wenn das möglich wäre."
Willi Baumeister, zit. nach: Heinz Spielmann, Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen 12, 1967, S. 166f.

Essay
Baumeisters Abstraktionen sind das Ergebnis intensiver Denk- und Entwicklungsprozesse. Geschult an Vorbildern wie Cézanne und beeinflusst von Zeitgenossen wie Schlemmer, hat Baumeister seinen ganz eigenen Weg in die Abstraktion gefunden, die ihre Wurzeln immer im Realen hat. Willi Baumeister variiert und entwickelt seine Bildmotive in Bildserien. Dabei arbeitet er stets parallel an verschiedenen Bildzyklen. Die Entwicklung der afrikanischen Bilder, denen auch das vorliegende Werk zuzuordnen ist, beginnt während des Zweiten Weltkrieges. Sie gehören neben der "Gilgamesch-Reihe", den "Reliefbildern" und den "Perforationen" zu den Hauptserien dieser Zeit. Im Januar 1942 berichtet Baumeister in seinem Tagebuch das erste Mal über ein kleines Bild mit Afrika-Ornamentik, im Februar 1942 spricht er von einer Afrika-Epoche. Ab Anfang der 1930er Jahre interessiert sich Baumeister für Felsenbilder, intensiviert wird dieses Interesse Anfang der 1940er Jahre durch die Beziehung zum Frobenius-Institut. Damit treten die afrikanischen Felsenbilder in den Vordergrund. Es gibt in der Baumeister`schen Ornamentik sicherlich Parallelen zu afrikanischen Vorlagen, letztendlich aber ist die Bildsprache aus der Vorstellung Baumeisters von Afrika geboren. Will Grohmann nannte es "Imago" - das innere Bild. Die dunklen, zeichenhaften Bildformen in lockerer Abfolge heben sich von dem hellen, in Spachteltechnik aufgetragenen Bildgrund ab. Die spezielle Behandlung des Untergrundes erzeugt eine gewollte Unruhe, die eine ähnliche Wirkung hat wie auf Felsen verewigte prähistorische Malerei. Die sanfte Tonalität entspricht der Vorstellung einer Wüstenlandschaft; es überwiegen erdige Töne, akzentuiert von sehr wenig saftigem Grün und leuchtendem Blau. Archaische Elemente sind der Ursprung von Baumeisters Bildfindungen. Die unterschiedlichen Farbflächen ordnet er scheinbar spielerisch der Malfläche zu, um das urweltliche Formengut zu binden, in seiner Wirkung zu unterstreichen. Chimären, die hier über das Bild huschen, sind nicht körperlose Geistwesen im schwerelosen Raum. Bei Baumeister werden sie zu den Urbildern, die Chiffren gleich hervortreten, um an Versunkenes zu erinnern, an Zeiten vor geschriebener Geschichte. [SM]
801
Willi Baumeister
OBU, 1948.
Mischtechnik
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 75.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


Weitere Abbildungen
Willi Baumeister - OBU - Rahmenbild
Rahmenbild
 
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