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Auktion: 479 / Klassiker des 20. Jahrhunderts I am 08.12.2018 in München Lot 889

 
Objektbeschreibung
Mustangs. 2005.
Fotografie zwischen Antelio-Glas auf Alu-Dibond .
Butin 131. Verso signiert und nummeriert sowie mit dem Editionsetikett. Eines von 48 Exemplaren. Auf Laserchrome Papier. 88,5 x 150 cm (34,8 x 59 in).
Herausgegeben von Joseph Heni, G.F. London.

"Es geht mir ja nicht darum ein Foto zu imitieren, ich will ein Foto machen. Und wenn ich mich darüber hinwegsetze, dass man unter Fotografie ein Stück belichtetes Papier versteht, dann mache ich Fotos mit anderen Mitteln, nicht Bilder, die was von einem Foto haben."
(Gerhard Richter, Quelle: Dietmar Elger, Gerhard Richter. Catalogue Raisonné, Bd. 1, Ostfildern 2011, S. 28)

Essay
Unser Werk basiert auf Richters Ölgemälde "Mustang-Staffel" aus dem Jahr 1964, das - teils farbig gefasst - auf einer schwarz-weiß-Abbildung beruht (vgl. Elger 19). Neben den farbigen Anteilen des Gemäldes ist auch der weiße Streifen am unteren Bildrand ein künstlerisches Addendum, durch das Richter seine Quelle - eine Fotographie aus einer Zeitschrift oder Zeitung - offen thematisiert. Hierbei handelt es sich um ein oftmals wiederholtes Procedere des Künstlers, das auch umgekehrt funktioniert: Vorlagenbilder mit Fotorand werden von diesem befreit und durch die malerische Verfremdung ihres Formats ihrem Urspungsmedium künstlich wieder angenähert. Im Zeitalter der Massenmedien eigent sich die Malerei auf diese Weise Werte des rivalisierenden, gar bedrohlich gewordenen Mediums der Fototgraphie an und wird so zu ihrem eigenen Abbild der Wirklichkeit. Dabei spielen neben den offenkundigen Parametern der fotographischen Unschärfe und Farbigkeit auch mediale Eigenschaften wie Objektivität, Authentizität und der Verzicht auf künstlerische Komposition auf wichtige Rolle. "Das Foto ist das perfekteste Bild; es ändert sich nicht, es ist absolut, also unabhängig, unbedingt, ohne Stil. Es ist mir deshalb in der Weise, wie es berichtet und was es berichtet, Vorbild", sagt Richter (zit. nach: Dietmar Elger, Gerhard Richter. Catalogue Raisonné, Bd. 1, Ostfildern 2011, S. 28 f.). In der hier vorliegenden Rücküberführung des auf einer Fotographie basierenden Gemäldes von 1964 zurück in das Medium der Fotographie scheint diese Prämisse Richters auf die Spitze getrieben. Daneben ist zum Motiv der Kampfflieger, das sich im Schaffen Richters mehrfach wiederfindet, noch zu bemerken: "In Werken, in denen Richter Militärflugzeuge [..] malt, reflektiert er nicht nur malerische und mediale Probleme der Wirklichkeitspräsentation, sondern setzt sich auch mit seiner eigenen Kindheit im Nationalsozialismus auseinander. Im Krieg hat Richter die russischen Tieffliegerangriffe und (aus der Distanz) auch die Bombenangriffe auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 miterlebt. Als Student an der Hochschule für Bildende Künste in den 1950er-Jahren ist er noch durch die Trümmer der Dresdner Altstadt gelaufen. In den pastosen, in harten Schwarz-Weiß-Kontrasten aufgetragenen Farben hat Richter ein malerisches Äquivalent zu diesem nachhaltigen Eindruck gesucht, den die zerstörten Gebäude bei ihm hinterlassen haben." (zit. nach: Dietmar Elger, Gerhard Richter. Catalogue Raisonné, Bd. 1, Ostfildern 2011, S. 27). Das vorliegende Werk ist damit nicht nur auf kunsttheoretischer, sondern auch in motivischer Hinsicht für das Schaffen Gerhard Richters ein Beispiel par execellance. [FS]
889
Gerhard Richter
Mustangs, 2005.
Fotografie
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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