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Auktion: 484 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 24.05.2019 Lot 119000095

 
bild folgt

Objektbeschreibung
Wendische Bäuerin. Um 1886.
Öl auf Leinwand.
Warmt G 190. Rechts unten signiert. 100,4 x 64,4 cm (39,5 x 25,3 in).

Eines der wenigen Figurenbilder im Schaffen des Landschaftsmalers.
Wir danken Frau Dr. Hendrikje Warmt, Karl Hagemeister Archiv & Werkverzeichnis Berlin, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Galerie Gerda Bassenge, Berlin, Auktion am 7.-11. November 1967, Los 792 ("Bauernmädchen im Garten", m. Abb. S. 131).
Kunstantiquariat Arno Winterberg, Heidelberg, Auktion am 4. Mai 1974, Los 554 ("Märkisches Bauernmädchen in Blumenwiese", m. Abb. S. 142).
Kunstkabinett Schirmer, Stuttgart.
Privatsammlung Süddeutschland (ca. 1975 vom Vorgenannten erworben, seither in Familienbesitz).

AUSSTELLUNG: Große-Kunstausstellung o. Ort/ Jahr. (verso auf dem Keilrahmen mit dem fragmentarischen Ausstellungsetikett).

"Wer Landschaften malt, muß sich aufhalten, wo Landschaft ist; wer Prinzessinnen malt, muß dort sein, wo Prinzessinnen sind."
Karl Hagemeister, zit. nach: Hendrijke Warmt, Karl Hagemeister. In Reflexion der Stille, Berlin 2016, S: 130.

Essay
In den 1880er Jahren bis in die ersten Jahre des nachfolgenden Jahrzehnts finden sich im Schaffen des Landschafters Karl Hagemeister vereinzelt auch Tier- und Figurenbildnisse. Neben Jägern, reizen Hagemeister vor allem junge Bäuerinnen als Motiv, die er bei der Feldarbeit (vgl. Warmt G 165-168, um 1885) oder bei einer Mußestunde in blühenden Blumenfeldern zeigt (vgl. Warmt G 185, G 189-195, um 1886, G 222-223, um 1888, und G230-236, um 1889). Seine Modelle findet Hagemeister in und um Ferch, wo er zwischen 1880 und 1891/92 lebt. Es sind die entscheidenden Jahre seiner Stilfindung, die vor allem durch die Entwicklungen der französischen Kunst geprägt ist. Für seine Figurendarstellungen aus dem einfachen, bäuerlichen Umfeld sind hier Jean-Francois Millet und Bastien-Lepages ebenso zu nennen wie der deutsche Zeitgenosse Fritz von Uhde. Eine Vorliebe Hagemeisters gilt dabei der wendischen Tracht aus einfachen Tageskleidern mit Betonung der Taille durch bodenlange Schürzen und hoch aufragenden, weißen Hauben. Eindrücklich ist dies auch bei der hier angebotenen Komposition zu beobachten, die eine junge Bäuerin inmitten eines üppigen Mohnfeldes am Waldrand zeigt. Ihre weiße Haube leuchtet, wie die sie umgebenden Blumenköpfe, hell aus dem tiefgrünen Licht- und Schattenspiel des Waldes auf. Ihre gerade Haltung mit dem lässig in die Hüfte gestemmten linken Arm verleiht ihre eine stolze Aura, die in einer klassischen Statue in nichts nachsteht. Dabei geht es Hagemeister bei der eher typenhaften Darstellung der Figur ohne klare Gesichtszüge - wie auch bei seinen reinen Landschaftsbildern - primär um die Wiedergabe des atmosphärischen Gesamteindrucks und die Vermittlung der heimischen Schönheit bei Mensch und Natur. [FS]
119000095
Karl Hagemeister
Wendische Bäuerin, Um 1886.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 10.000 - 15.000
+
 


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