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Auktion: 258 / Klassiker der Gegenwart am 08.10.2001 Lot 31

 
Objektbeschreibung
Abstraktes Bild, 1983. Öl auf Leinwand.

Nach seinem Studium der Malerei in Dresden von 1952 bis 1957 und den drei anschließenden Jahren als Meisterschüler der Akademie reist Richter in die Bundesrepublik aus. Von 1961 bis 1963 studiert er bei Karl Otto Götz an der Düsseldorfer Kunstakademie. Hier beginnt die Freundschaft mit Sigmar Polke, Blinky Palermo und Konrad Lueg - dem späteren Galeristen Konrad Fischer -, mit dem er 1963 die 'Demonstration für den Kapitalistischen Realismus' als deutsche Variante der Pop-Art veranstaltet. 1962 beginnt er zunächst, beeinflusst von Giacometti und Dubuffet, mit gegenständlichen Bildern, die auf Fotovorlagen beruhen. Dies geschieht aus einer veränderten Ansicht über Kunst, die nach Richter "nichts mit Malerei zu tun hat, nichts mit Komposition, nichts mit Farbe". Erste Einzelausstellungen finden 1964 in den Galerien Heiner Friedrich in München und Alfred Schmela in Düsseldorf statt. 1967 wird Richter als Gastdozent an die Hochschule für Bildende Künste nach Hamburg berufen, 1971 übernimmt er eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf, die er bis 1996 innehat. Weitere Gastprofessuren werden dem Maler 1978 am College of Art in Halifax, Kanada, und 1988 an der Städelschule Frankfurt angeboten. In den gegen Ende der sechziger Jahre entstehenden Alpen- und Städtebildern erscheint die fotografische Struktur in pastos aufgetragenen Farbflecken. Mit den Serien der Farbfelder von 1971 bis 1974, in denen der Künstler die vier Grundfarben facettiert und zufällig kombiniert sowie den monochromen Grau-Bildern aus der Zeit von 1972 bis 1975 thematisiert Richter bestimmende Komponenten der Malerei. Ab 1976 entstehen abstrakte Bilder mit farbigen Schlieren, jedoch greift Richter immer wieder auf Gegenständliches zurück, wie überhaupt der Wechsel der Darstellungsmittel und der Stilbruch bei ihm zum Prinzip werden. 1997 wird der Atlas, eine systematische Sammlung fotografischer Vorlagen und malerischer Skizzen, auf der documenta X in Kassel ausgestellt.

Die Werkgruppe der 'Abstrakten Bilder' dominiert Gerhard Richters Schaffen seit 1976. Es entsteht ein vielschichtiges und umfangreiches Œuvre gegenstandsloser Malerei. In vehementer Gestik vorgetragene, starkfarbige Kompositionen sind das Ergebnis einer oft langwierigen Bildfindung. Im Unterschied zum spontanen Malprozess des Abstrakten Expressionismus trägt Richter Farben, Formen und Strukturen sukzessive mit Pinseln und Rakeln auf. Der Klang der farblichen Ordnungen und die Virtuosität bedacht gesetzter Strukturen erzeugen Stimmungen und Assoziationen ohne gegenständliche Referenz.
Die Abwendung vom Gegenstand kündigt sich bereits in Richters frühen Gemälden nach fotografischen Vorlagen an. Mittels Verwischung weckt er Zweifel an der Wirklichkeit und lenkt den Blick auf die Realität des Bildes. Richters Erkenntnis, dass der Bildgegenstand nicht länger Abbildungsfunktion der Wirklichkeit besitzt, erreicht mit den 'Abstrakten Bildern' einen Kulminationspunkt. Mit besonderer Prägnanz hinterfragt er hier die Möglichkeiten der Malerei und definiert sie neu. Er selbst erklärt: "Mit der abstrakten Malerei schufen wir uns eine bessere Möglichkeit, das Unanschauliche, Unverständliche anzugehen, weil sie in direktester Anschaulichkeit, also mit allen Mitteln der Kunst 'nichts' schildert" (G.R. 1982, in: Kat. documenta 7, Kassel 1982).

Abstraktes Bild. 1983.
Öl auf Leinwand,
Thill 520-4. Rückseitig signiert und datiert sowie mit der Werknummer "520-4" versehen. 70 x 50 cm (27,5 x 19,6 in).

PROVENIENZ: Sammlung Prof. Harald Fuchs, Köln.
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Achim Kubinski, Stuttgart.
Galerie Krips, Köln.

31
Gerhard Richter
Abstraktes Bild, 1983.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 46.016
Ergebnis:
€ 126.417

(inkl. 15% Käuferaufgeld)
 


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