Lot: 124
Concetto Spaziale
Erlös (inkl.Aufgeld): 146.400 EUR / 187.392 $
Lucio Fontana
1899 Rosario di Santa Fé/Argentinien - 1968 Comabbio bei Varese
Concetto Spaziale. 1960.
Acryl auf Leinwand, mit schwarzer Gaze hinterlegt.
Crispolti 60 T 104. Verso signiert, betitelt "c.spaziale" und bezeichnet "1+1-75L3". 24 x 16 cm (9,4 x 6,2 in).
Die Authentizität wurden von der Fondazione Lucio Fontana schriftlich (E-mail) bestätigt. Die Arbeit ist dort unter der Nummer 227/4 verzeichnet.
PROVENIENZ: Sammlung Vasata, Düsseldorf.
Galerie Achenbach, Düsseldorf.
Privatsammlung Norddeutschland.
Lucio Fontana wird 1899 in Rosario di Santa Fé in Argentinien als Sohn eines italienischen Bildhauers geboren. 1905 übersiedelt die Familie des Künstlers nach Mailand, wo Fontana ab 1914 die Baugewerbeschule von Carlo Cattaneo besucht. Nach geleistetem Kriegsdienst macht er 1918 sein Examen als Diplomingenieur. Bis 1930 studiert er an der Accademia di Brera Bildhauerei. 1934 schließt sich Fontana der Pariser Künstlergruppe 'Abstraction-Création' an, deren Mailänder Sektion er begründet. Im folgenden Jahr veröffentlichen sie ein Manifest zur abstrakten Kunst, und Fontana bekommt seine erste Einzelausstellung in der Galleria del Milione in Mailand. Ab 1939 hält sich der Künstler wieder in Argentinien auf. 1946 wird er Mitbegründer der Privatakademie von Altamira und verfasst mit seinen Studenten das 'Manifesto Blanco', in dem die Synthese der Gattungen und die Abkehr von herkömmlichen Materialien gefordert wird. Zurück in Mailand formuliert Lucio Fontana 1948 seine Suche nach einer neuen Raumkunst im 'Ersten Manifest des Spazialismo' und gründet die Gruppe 'Movimento spaziale'. 1949 realisiert er in einer Mailänder Galerie das erste 'Ambiente spaziale', ein Vorläufer des Environment. Im selben Jahr entstehen die ersten perforierten Leinwände, die wie alle folgenden Werke den Titel 'Concetto spaziale' (Raumkonzept) tragen. 1958 beginnt der Künstler mit seinen berühmten Schnitten in der Leinwand, brachialen Eingriffen in die meist monochrom bemalte Fläche mittels scharfer Messerschnitte.
"Meine Kunst ist ganz geprägt von dieser Reinheit, von dieser Philosophie des Nichts, das nicht das Nichts der Zerstörung ist, sondern das Nichts der Schöpfung [...] Und gerade der Schnitt [...] galt nicht der Zerstörung des Bildes, sondern im Gegenteil einer Dimension jenseits des Bildes"(zit. nach: Bettina Ruhrberg, Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, München 1993, S. 3). Durch den Schnitt in die monochrome, weiße Leinwand, die nach allen Seiten mit dem weißen Untergrund zu verschmelzen scheint, gelingt Fontana auch in der Tiefe eine Entgrenzung seiner Malerei. Der Eindruck einer Raumausdehnung wird also nicht nur an den Bildrändern unserer Arbeit, sondern auch durch die aufgerissene Leinwand, an welcher sich der Blick des Betrachters in die geheimnisvolle Tiefe des scheinbar unendlichen Raumes zu verlieren glaubt, zu einem meditativen Phantasieraum gesteigert. Die Leinwand ist nicht mehr Träger der künstlerischen Phantasie, sondern gerät in ihrer Materialität ins Zentrum des künstlerischen Interesses, wodurch sie vielmehr zur Projektionsfläche für das Betrachterauge wird. Fontana hat mit seinen minimalistischen "Tagli" einen bedeutenden Beitrag zum zeitgenössischen Interesse der räumlichen Entgrenzung des Kunstwerks geleistet.
Anfang der 1960er Jahre kombiniert er seine Bildmittel mit dick aufgetragenen, oft mit Sand vermischten Farbpartien, in die häufig hineingekratzt und -gezeichnet wird. Es folgen nun die großen kugelförmigen Bronzeobjekte. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen prägen diese Zeit, u.a. die stetige Teilnahme an der Biennale in Venedig, der documenta 4 in Kassel 1968 oder der Wanderausstellung des Museum of Modern Art, New York 1966-68. 1968 stirbt Lucio Fontana in Varese. [JS].
In guter Erhaltung. Winzige oberflächliche Farbabplatzung unten an der linken Kante.
EUR: 70.000 - 90.000 DIFF.(19%)
US$: 95.480 - 122.760
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