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Auktion: 409 / Klassische Moderne & Seitenwege der dt.Avantgarde am 06.12.2013 in München Lot 365

 
Objektbeschreibung
Frierende mit Badetuch und Turban. 1945.
Öl auf Leinwand.
Wohlert 1868. Rechts unten monogrammiert (ligiert) und datiert. 57 x 37 cm (22,4 x 14,5 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Hamburg (direkt vom Künstler erworben).
Privatsammlung Norddeutschland.

Karl Hofer wird am 11. Oktober 1878 in Karlsruhe als Sohn eines Militärmusikers geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre in der Hofbuchhandlung von C.F. Müller beginnt er 1897 ein Studium an der Großherzoglich Badischen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Bis 1901 ist Hofer Schüler von Robert Poetzelberger, Leo von Kalckreuth und Hans Thoma - Lehrer, von denen er wenig Anregungen für sein ambitioniertes "Kunstwollen" erhält. Als Suchender gerät er unter den Einfluss Arnold Böcklins. Im Jahr 1900 bricht Hofer zu einer Studienreise nach Paris auf, wo er die naive Malerei Henri Rousseaus kennenlernt, die ihn besonders beeindruckt. Der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe erschließt ihm nicht nur sehenswerte Pariser Privatsammlungen, sondern macht ihn auch auf Hans von Marées aufmerksam, so dass Hofer sich 1903 entschließt, für einige Jahre nach Rom zu gehen. Seine bis dahin vom Symbolismus in der Nachfolge Böcklins geprägte Malerei verändert sich nun zugunsten einer klassisch-arkadischen Auffassung im Stil Marées. 1904 präsentiert das Kunsthaus Zürich innerhalb der "Ausstellung moderner Kunstwerke" die erste Einzelausstellung Hofers, die danach in erweiterter Form in der Karlsruher Kunsthalle, im Folkwang-Museum in Hagen und 1906 in Weimar gezeigt wird. Ab 1908 lebt Hofer zeitweise in Paris; der dortige Aufenthalt mit der Verarbeitung der Einflüsse Cézannes, der französischen Impressionisten und El Grecos verändern seinen Stil. 1913 übersiedelt der Künstler nach Berlin. Im folgenden Jahr wird Hofer in Frankreich interniert und kehrt erst 1917 nach Deutschland zurück. 1921 nimmt er eine Professur an der Kunstschule in Berlin-Charlottenburg an. Zum 50. Geburtstag findet 1928 eine große Retrospektive in der Kunsthalle Mannheim, der "Berliner Secession" und in der Berliner Galerie von Alfred Flechtheim statt. Während des Dritten Reiches wird Hofers Kunst als "entartet" diffamiert, 1933/34 wird er vom Dienst suspendiert und seine Arbeiten 1937 in der Münchner Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt.

In den Jahren der äußeren Repression bleibt Carl Hofer seinem Malstil treu, allein die Sujets sind in ihrer Wahl einer gewissen Einschränkung unterworfen. Auffallend viele Porträts und Darstellungen mit Einzelpersonen werden in diesem Zeitraum geschaffen. Sie sind fast alle von einer Haltung geprägt, die einen Fatalismus, ein Ausgeliefertsein an das Schicksal bildhaft darstellen. Die Frierende ist in ihrer Haltung ganz einer in sich gekehrten Stimmung verpflichtet, die als Grundtenor der Arbeiten Hofers um diese Zeit abgelesen werden kann. Fern aller Freizügigkeiten, die das Sujet bereitwillig anbietet, schafft Hofer hier eine Studie innerer Einkehr in Abschottung von einer Außenwelt widrigster Lebensumstände. Doch sollte nicht übersehen werden, dass sich selbst in diesem an sich einfachen Sujet kleine optische Valeurs verbergen, etwa wie das um die Figur geschlungene Tuch elegant von der rechten Hand der Badenden zusammengehalten wird und ein kunstvoll geschlungener Turban das Gesicht der Sinnenden nach dem Bade umschließt. Diese kleinen Effekte erhöhen eine in sich geschlossene Komposition von starker Ausdruckskraft, wie sie Carl Hofer in Zeiten äußerster Bedrängnis und banger Zukunftsängste schafft.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1955 lebt Hofer in Berlin und bekleidet das Amt des Direktors an der Hochschule für Bildende Künste. [KD].

365
Karl Hofer
Frierende mit Badetuch und Turban, 1945.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 35.000
Ergebnis:
€ 64.660

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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