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Auktion: 456 / Wertvolle Bücher am 20.11.2017 in Hamburg Lot 14

 
Objektbeschreibung
Pariser Stundenbuch auf Pergament
Lateinisches und französisches Stundenbuch für den Gebrauch von Paris. Illuminiertes Manuskript auf Pergament. Paris, um 1490.

Prachtvolles und reichhaltig illuminiertes Stundenbuch aus dem Besitz der bekannten Calvinistin Catherine de Bourbon (1559-1604), Schwester des französischen Königs Heinrich IV.

Ein bemerkenswertes Beispiel der Pariser Buchmalerei mit über 60 Miniaturen sowie prachtvollem Bordürenschmuck im Stil des Jean Serpin mit verschiedenen Tieren, Fabelwesen und Drolerien. - Enthält 15 große Miniaturen mit detailliert ausgeführtem, landschaftlichem oder architektonischem Hintergrund: Johannes auf Patmos (13r), Verkündigung (23r), Heimsuchung (40r), Kreuzigung (48r), Ausgießung des Hl. Geistes (50r), Christi Geburt (51v), Hirtenverkündigung (57r), Königsanbetung (61v), Darbringung im Tempel (66r), Flucht nach Ägypten (70v), Marienkrönung (77r), König David im Gebet (83r), Hiob vom Teufel gepeinigt (97v), Madonna auf der Mondsichel im Strahlenkranz (130v), thronender Gottvater (135r). - Die hübschen Kalenderminiaturen zeigen Monatsbilder und Tierkreiszeichen, die kleinen Textminiaturen mit den Evangelisten Lukas, Matthaeus und Markus, ferner Pietá, Madonna mit Kind und Trinität sowie die Heiligen Michael, Johannes Baptista, Johannes Evangelista, Petrus und Paulus, Jakobus Maior, Christophorus, Sebastian, Lorenz, Nikolaus, Claudius, Antonius, Anna, Maria, Katharina, Margarethe, Barbara und Genoveva.

Kalender von Paris, voll besetzt, Einträge alternierend in Blau und Rot, Hauptfeste in Gold, darunter Genoveva (3. Jan.), Vincent (22. Jan.), Dionysius von Paris (9. Okt.), Martin (11. Nov.) und Katharina (25. Nov.). - Marienoffizium und Totenoffizium nach Gebrauch von Paris. - Litanei mit den Pariser Stadtheiligen.
Inhalt: Kalendarium (1r-12v), Evangeliensequenzen (13r-17v), Gebete Obsecro te und O Intemerata (17v-22v), Marienoffizium (23r-82r), Bußpsalmen (83r-92r), Litanei (92v-97r), Totenoffizium (97v-130r), Dulce dame (130v-134v), Dulce dieu (135r-137v), Suffragien (137v-147v), spätere Ergänzungen (frz.) auf dem hint. flieg. Vorsatz.
Die überzeugte Calvinistin Catherine de Bourbon hatte einen nicht unerheblichen Anteil an der Entstehung des Edikts von Nantes (1598), das den calvinistischen Protestanten im katholischen Frankreich religiöse Toleranz und volle Bürgerrechte gewährte. Auf maßgeblichem Wunsch ihres Bruders Heinrich IV., der 1593 zum katholischen Glauben übergetreten war, heiratete sie aus politischen Gründen 1599 den Marquis von Pont-à-Mousson, späteren Heinrich II. von Lothringen, einen radikalen Katholiken. Sowohl der König als auch ihr Gatte waren überzeugt, daß sie sich trotz ihres zähen Widerwillens am Ende zum Katholizismus bekehren würde. Sie nahm Unterricht im katholischen Glauben, dennoch hielt sie bis zu ihrem frühen Tod am reformierten Glauben fest. Das vorliegende Stundenbuch - per se ein Ausdruck tiefer katholischer Frömmigkeit - ist daher als ein besonderes Zeugnis dieser mißglückten Zwangskonvertierung anzusehen. Es ist zwar nicht belegt, aber doch denkbar, daß es sich bei dem vorliegenden Stundenbuch um ein Geschenk ihres Gatten oder gar des Königs handeln könnte.
Catherine, die selbst Sonette komponierte und einen umfangreichen Briefwechsel mit bedeutenden Persönlichkeiten hinterließ, besaß eine ansehnliche Bibliothek, darunter auch mehrere kostbare Manuskripte. "La plupart de ses livres étaient reliés à la manière de Clovis Eve qui, bien certainement, a dû travailler pour elle" (Guigard). Mit Sicherheit stammt auch der schöne Semé-Einband der vorliegenden Handschrift aus der Werkstatt des berühmten Hofbuchbinders Clovis Ève, der für Heinrich IV. und dessen zweite Gemahlin Maria von Medici prachtvolle Einbände angefertigt hat, wobei er insbesondere das beliebte Semé-Muster, nämlich Reihen von Doppelmonogrammen verwendete, hier das verschlungene Monogramm "CC" der Eignerin und dem S barré.

EINBAND: Roter Maroquineinband um 1600 mit reicher Semé-Vergoldung auf Decken und Rücken, jeweils eingefaßt mit goldgeprägter Spitzenbordüre, Ganzgoldschnitt und 2 Schließen. 16,5 : 11 cm. - ILLUSTRATION: Mit 15 großen Miniaturen und 47 kleinen Miniaturen, darunter 24 Kalenderbilder. Nahezu jede Seite mit reich besetztem Zierrahmen im Stil des Jean Serpin, illuminiert mit Akanthusblättern, verschiedenen Blumen und Früchten, Vögeln, Schmetterlingen, Fröschen, Schnecken und fantasiereichen Fabelwesen. Weiterhin mit zahlreichen Schmuckinitialen und Zeilenfüllern in Blattgold und Farben. - KOLLATION: 147 Bll. Blattgröße 16 : 10,5 cm. Schriftspiegel 10,5 : 5,5 cm. Lateinischer Text, Kalender sowie Dulce dame und Dulce dieu in Französisch. Textura in brauner Tinte, Hervorhebungen in Blau, gelb schattierte Anfangsbuchstaben. 21 Zeilen, rot regliert. - ZUSTAND: Vereinz. minim. fingerfleckig, die rechtsseitigen Kalenderminiaturen meist bis zur Einfassungslinie beschnitten und vereinz. mit geringem Farbabrieb. Einband mit wenigen kl. Bereibungen, Kanten und Ecken unauffällig restauriert. Insgesamt sehr gut erhaltene Prachthandschrift in einem ausgezeichneten Einband von Clovis Ève. - PROVENIENZ: Aus der Sammlung Rudolf Busch, die am 3./4. Mai 1921 bei Josef Baer in Frankfurt versteigert wurde. - Karl & Faber, Verkaufskat. 37 (Jan. 1929), Nr. 3.

LITERATUR: Zum Einband vgl. Guigard I, 119f.

Latin and French Book of Hours for the use of Paris. Illuminated vellum manuscript. Paris, around 1490. Splendid and richly illuminated book of hours from the ownership of the well-known French Calvinist Catherine de Bourbon (1559-1604), sister of the French king Henry IV. A remarkable example of Parisian book art with more than 60 miniatures and splendid borders in the manner of Jean Serpin with animals, mythical creatures and drolleries. - Catherine de Bourbon had decisive influence on the formation of the Edict of Nantes, which granted Calvinist Protestants religious tolerance and full civil rights in the mainly Catholic country France. The Book of Hours is a unique document of a failed forced conversion. The well-educated Catherine followed the wish of her brother and married the ultra Catholic Henry II, Duke of Lorraine. Both her brother as well as her husband were convinced that it would sooner or later be possible to convert her, but she remained true to her reformed set of beliefs until her death. One can assume that the opulently endowed manuscript may have been a present with ulterior motives from her husband or even the king. Catherine was in possession of a considerable library which also comprised several valuable manuscripts. It can be surely said that the fine Semé binding of this manuscript comes from the workshop of the famous court bookbinder Clovis Ève, who made splendid bindings for Henry IV. and his second wife Marie de' Medici. - Red morocco binding, around 1600, with rich Semé gilt tooling on boards and spine, gilt edges and 2 clasps. 16,5 : 11 cm. With15 large miniatures and 47 small miniatures, among them 24 calendar illustrations.147 leaves. Size of sheet 16 : 10,5 cm. - Minimal isolated finger stains, dexter calendar miniatures trimmed to border line and with slightly rubbed colors. Binding with a few small rubbed spots, edges and corners discernibly restored. All in all well-preserved splendid manuscript in an excellent binding by Clovis Ève. - From the collection Rudolf Busch, sold by Josef Baer in Frankfurt on 3/4 May 1921. - Karl & Faber, sales cat. 37 (Jan. 1929), no. 3.

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Manuskripte
Horae B.M.V. Lateinische und Französische Handschrift auf Pergament, 1490.
Nachverkaufspreis: € 57.000
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