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Auktion: 464 / Wertvolle Bücher am 28.05.2018 in Hamburg Lot 61

 
Objektbeschreibung
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift an Franz Werfel (1890-1945). Paris, 1. IX. 1914. 3 S. 18,2 : 13,8 cm.

Euphorisches und bewegtes Schreiben Rilkes an den jüngeren Dichter über dessen neueste lyrische Veröffentlichungen. Zugleich nach Monaten des Schweigens der erste Brief Rilkes an Werfel nach ihrer enttäuschenden ersten Begegnung.

"Ich muß Ihnen auf der Stelle schreiben, eben schlug diese große Woge Ihrer neuen Gedichte über mich hin, Gott ist herrlich auf Ihrer Seite, möchte der Jubel seiner Größe in Ihnen sein und Ihnen lohnen. Ich kann nicht mehr sagen, denn zu sagen ist es ja nicht, aber Ihre Kunst wächst uns zu immer höherer Gestaltung heran, sie hat Recht, sie wird recht behalten, lassen Sie sich in ihr gehen und tragen, werfen Sie zu ihrer Stärke allen Andrang Ihres Herzens hinzu, sterben Sie in jedes Dinges Enge, damit jeglicher in Ihnen auferstünde und verwirrt und hingerissen in seine Seeligkeit gerathe. - Noch weiß ich nicht, welches das Schönste ist, Hekuba? Der Held? Die Prozession? Ich weiß nicht." Werfel hatte im Januar in der Literaturzeitschrift Die weißen Blätter (Heft 5, 1914) eine Reihe neuer Gedichte, darunter die von Rilke aufgezählten, veröffentlicht. Eine separate Buchausgabe Einander. Oden Lieder Gestalten erschien 1915 im Leipziger Kurt Wolff Verlag. - Rilke war Werfel, mit dem er seit August 1913 in Briefkontakt stand, im Oktober zum ersten Mal persönlich begegnet, ein Treffen, das, wohl da es von allzugroßen Erwartungen belastet war, für Rilke (wie auch für Werfel) zur Enttäuschung geriet. An Rilkes positivem Urteil über Werfels Lyrik änderte sich durch diese unglückliche Begegnung ganz offenbar nichts, und es drängt Rilke, sein langes briefliches Schweigen zu erklären: "Lieber Werfel, Sie werden sich manchmal gefragt haben, wie geht das zu, daß dieser Mensch, dem ich (ohne es zu wollen) den ganzen Sommer über die glücklichsten Freuden bereitet habe, nachdem wir uns obendrein noch freundlich begegnet sind, sich mir nun völlig verschlossen hält? Dies hängt so zusammen, daß ich in einem beständigen Heißhunger des Alleinseins lebe, nur die nöthigsten Briefe schreibe .. und meine Thüre so fest verschlossen halte, daß mir nicht allein aller Umgang, ja jedes Umgangs bloße Vorstellung wochenlang, monatelang entfremdet bleibt .. Also ziehen Sie aus solchem Benehmen keine unguten Folgerungen - von Ihnen zu schreiben, kommt mir oft in die Feder, denn viele Leute sprechen mich schriftlich auf Ihre Bücher hin an .. Herr Kurt Wolff wird Ihnen vielleicht gesagt haben, wie ich mich an Ihren Beruf zur "Vita Nuova" gefreut habe." - Werfel hatte sich, wie auch Rilke, mit Dantes Werken beschäftigt, darunter die Gedichtes des Vita Nuova , und einige davon aus dem Italienischen übertragen bzw. Motive daraus in seinen eigenen Versen verarbeitet, die u. a. in der obengenannten Anthologie Einander veröffentlicht wurden.

- ZUSTAND: Im Falz mit kl. Eckabriß.

Dabei: Werfel, Franz, Einander. Oden Lieder Gestalten. Leipzig, K. Wolff 1915. Orig.-Pappband. 23,5 : 16 cm. - Raabe 330, 5. - Göbel 227. - Erste Ausgabe. - Titelseite mit dreizeiliger Widmung mit Unterschrift "in herzlicher Verehrung" an ein befreundetes Professorenehepaar, dat. Prag Juli 1915.

Autograph letter, signed. Paris, February 1st, 1914. 3 p. Addressed to the German expressionist poet Franz Werfel (1890-1945). Rilke praises Werfel's newest poems, expressing his admiration for his work in general, and tries to explain why at the same time he did not write for several months. Rilke and Werfel had started their correspondence in 1913, but after a disappointing first meeting later that year, their relation seemed to have become strained. Rilke, ever the diplomat, explains his silence by his solitary personality, and asks Werfel to not take it personally. - Fold with small torn off piece at the bottom (with out loss of letter). - 1 addition.

61
Rainer Maria Rilke
Eigenhändiger Brief an Werfel. - 1 Beigabe: F. Werfel, Einander. Widmungsexemplar, 1914.
Nachverkaufspreis: € 10.000
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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Rainer Maria Rilke "Eigenhändiger Brief an Werfel. - 1 Beigabe: F. Werfel, Einander. Widmungsexemplar"
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