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Aeropittura

Der Futurismus währte strenggenommen von 1909/10 bis 1944, wird dabei jedoch in einen "Ersten Futurismus" und einen daran ab etwa 1920 anschließenden "Zweiten Futurismus" unterteilt. Der "Erste Futurismus" war eine Avantgardebewegung der Moderne, zeichnete sich jedoch auch durch aggressive Kriegsverherrlichung aus. Der "Zweite Futurismus" war bereits wesentlich und grundlegend von der Vereinnahmung durch die faschistische Propaganda bestimmt, was auch zu Lasten der künstlerischen Qualität ging. In der "Flugmalerei", der Aeropittura, fand der Zweite Futurismus eine ideologisch fixierte Ausdrucksform.
Der Rausch der Geschwindigkeit und die bedingungslose Technikbejahung, die bei den Futuristen bereits in den Anfangsjahren in der Darstellung von modernen Verkehrsmitteln einen Ausdruck gefunden hatten, kulminierten in der Wahl des Flugzeugs als Sujet. Hier witterten die Faschisten, der aggressiven Kriegsbegeisterung des Futurismus gewahr, propagandistisches Potential. Sie förderten diese Kunstform gezielt und befreiten etwa diejenigen Maler, die sich in den Dienst des Faschismus stellten, großzügig vom Wehrdienst.
Die eindeutig propagandistische Prägung der Kunst spiegelt sich auch in den Manifesten des Zweiten Futurismus deutlich wider: Auf das 1929 verfasste erste "Manifest der Flugmalerei", das Giacomo Balla, Fortunato Depero, Gerardo Dottori, Fillia (eigentlich Luigi Colombo), Filippo Tommaso Marinetti, Enrico Prampolini und einige weitere unterzeichneten, folgten die "Futuristische Ästhetik des Krieges" (1935) oder die "Flugmalerei des Bombardements" (1940). Die Aeropittura wurde zur Ausdrucksform des heroischen Kriegspathos stilisiert - mit der Flugmalerei war der Futurismus ganz in der Propaganda aufgegangen.