Ketterer Kunst Logo

Detailsuche


Lexikon
Altdeutsche Kunst

"Altdeutsche Kunst" bezeichnet die Kunst des 15. und frühen 16. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Der Begriff wurzelt in der Bezeichnung "ältere deutsche Kunst", die im Sturm und Drang zur Abgrenzung von der als barbarisch verschrienen Gotik aufkam. In der Romantik wurde die "Altdeutsche Kunst" schließlich zum vielzitierten Zeugen eines glorreichen deutschen Mittelalters berufen. Heute ist der Begriff nicht mehr gebräuchlich und wird meist durch "deutsche Spätgotik" ersetzt.
Zu den Gründungsvätern einer deutschen "Ars Nova" in flämischer Tradition zählen die Ulmer Lucas Moser (um 1390-nach 1434) und Hans Multscher (um 1400-67) sowie der Baseler Konrad Witz (um 1400-46); als Figuren des Übergangs und Bewahrer des Weichen Stils stehen gemeinhin Stefan Lochner (um 1400/10-51) und die Vertreter der Kölner Malerschule des 15. Jahrhunderts. Martin Schongauer (um 1445-91) oder der rheinpfälzische Meister des Hausbuches (nachweisbar um 1470-1505) zählen zu den herausragenden Vertretern der zweiten Jahrhunderthälfte, etwa zeitgleich knüpfen Bernhard Strigel (um 1460-1528) und die Mitglieder der Memminger Malerschule an die oberschwäbischen Traditionen an.
Den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit markiert unbestritten das Werk Albrecht Dürers (1471-1528). Die weitere Entwicklung der "Altdeutschen Kunst" wurde maßgeblich vom Oeuvre des Nürnbergers geprägt; und die "Dürerzeit" um 1500 gilt als eigentliche Geniezeit der deutschen Kunst, die zahlreiche bedeutende Meister hervorgebracht hat: den älteren und den jüngeren Lucas Cranach (1472-1553 und 1515-86), ebenso die beiden Hans Holbein (um 1465-um 1524 und um 1498-1543). Im beginnenden 16. Jahrhundert wurden Dürers Errungenschaften in gelegentlich "barock" genannte Stilformen überführt: Der Dürerschüler Hans Baldung (gen. Grien, 1484 oder 1485-1545) schuf überaus expressive Werke, ähnlich eindringlich zeigt sich die Malerei des Mathis Gothart-Nithart (gen. Grünewald, um 1475/80-1528), und auch die Vertreter der "Donauschule" sind in diesem Kontext zu beurteilen.