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Lexikon
Altniederländische Kunst

Die altniederländische, vorrangig flämische Malerei zwischen etwa 1420 und dem Jahrhundertwechsel stellt den Höhepunkt der nordalpinen Renaissance dar.
Ausgehend von der franko-flämischen Schule des Weichen Stils entwickelte sich, nun innerhalb des eigenen Kulturkreises, ein Kunststil, der von einem teilweise wie fotografischen Realismus geprägt ist, der jedes Element der Wirklichkeit mit feinmalerischer Delikatesse auf die Leinwand bannt. Die Überwindung des Goldgrundes zugunsten differenzierter Landschaftshintergründe, die genaue Naturbeobachtung auch im Akt - Adam und Eva auf van Eycks "Genter Altar" - und die Entwicklung der Portraitmalerei sind Zeugnisse der Naturnähe dieser "Ars Nova". Im Unterschied zur italienischen Renaissance legte die Kunst der alten Niederländer den Schwerpunkt nicht auf Konstruktion, Perspektive und das den Formen zugrundeliegende Gerüst, sondern auf die Oberfläche und ihre Struktur. Die verschiedenen Stofflichkeiten der Materialien wurden mit Hilfe von Lupen, feinsten Pinseln und vor allem der neu entwickelten Ölmalerei in verblüffendem Naturalismus gezeigt.
Der flämische Stil fand längst nicht nur im benachbarten Holland weite Verbreitung: Gezielt wurden Werke der "Maniera Fiamminga" nach Italien exportiert, wo sie die Kunst befruchteten (exemplarisch etwa Antonello da Messina). Undenkbar wären auch die "Altdeutsche Kunst" oder das französische 15. Jahrhundert mit Jean Fouquet ohne die Errungenschaften der alten Niederländer, und ebenso fand der Stil in Portugal mit Nuno Gonçalves und, nicht zuletzt, in Spanien Widerhall.
Zu den Hauptvertretern der altniederländischen Malerei zählen der Meister von Flémalle (wohl mit Robert Campin zu identifizieren) mit dem "Mérode-Triptychon" von 1425 als frühem Hauptwerk des Stils. Als unübertroffen gilt Jan van Eyck (um 1390-1441), dessen "Genter Altar" 1432 vollendet wurde - der ominöse Bruder Hubert van Eyck konnte von der neueren Forschung als Legende enttarnt werden. Den Bahnbrechern folgten neben zahlreichen kleineren Meistern Rogier van der Weyden (eigentlich Rogier da la Pasture, 1399/1400-64), Dieric Bouts, Petrus Christus, Hans Memling, Hugo van der Goes und Hieronymus Bosch.