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Ansichtenwerke

Schon bald nach der Erfindung des Buchdrucks begann man, anstelle der mittelalterlichen Miniaturmalerei Holzschnitte als Illustration in die Texte einzufügen, und unter den ersten Motiven waren Stadtansichten, vorwiegend von den Erscheinungsorten der Werke. B. von Breydenbach fügte erstmals in seiner 1486 erschienenen Reisebeschreibung Peregrinationes in terram sanctam mehrere Ansichten der wichtigsten Orte ein, die er im Orient bereist hatte, um den Lesern eine Vorstellung von ihnen zu geben, im selben Jahr erschien das Supplementum Chronicarum von P. F. Bergamensis, das ebenfalls mehrere Stadtansichten, darunter Genua und Venedig, in späteren Ausgaben auch Florenz, Verona und Rom enthielt.

Diese Werke bilden im Grunde die Vorreiter auf dem umfangreichen Gebiet der Ansichtenwerke und gaben wohl auch H. Schedel und dem Verleger A. Koberger Anreiz, in ihre umfangreiche Weltchronik ein so große Zahl an Städteansichten einzufügen. Zwar waren nur tatsächlich ein Drittel der 116 Ansichten wirkliche Abbildungen der Städte, die übrigen schematischen Holzschnitte wiederholten sich unter jeweils anderen Überschriften, nichtsdestotrotz kann man das Schedelschen Werk als das erste tatsächliche Ansichtenwerk bezeichnen.

In seiner Nachfolge entstanden so bekannte und prachtvolle Werke wie die Cosmographia von S. Münster, die in späteren Ausgaben ab etwa 1550 zahlreiche wirkliche Holzschnittansichten enthielt. Mit Erfindung des Kupferstiches wurden zunehmend detailreichere Ansichten hergestellt, so die schönen Städteansichten in F. Hogenbergs und A. Brauns Civitates orbis terrarum, dem ersten ausschließlich Stadtansichten gewidmeten Werk und wohl berühmtesten Städtebuch der Renaissance, das von 1572-1618 ins insgesamt 6 Bänden erschien und an Umfang und Qualität neue Maßstäbe setzte.

Die sorgfältig radierten Ansichten dienten zahlreichen anderen Verlegern als Vorlage, so z. B. P. Kaerius, P. Bertius, und D. Meissner (Schatzkästlein, 1623-31). Die Platten wurden von J. Janssonius erworben, der sie für ein eigenes mehrbändiges Städtebuch (ab 1657) benutzte und teils umarbeitete. - Im 17. Jahrhundert war M. Merian in Frankfurt wohl der bedeutendste Verleger von Stadtansichten und Ansichtenwerken. Seine 16-bändige Topographien (1642-88) und das Theatrum Europaeum, das 1635 begonnen und 1738 mit dem 21. Band abgeschlossen wurde, sind in ihrer reichen Ausstattung an Landkarten und Stadtansichten einmalig.

Im 18. Jh. folgten Werke, die bevorzugt großformatige architektonische Detailansichten von Gebäuden und Monumenten enthielten, bekannte Verfasser war hier unter anderem Fischer von Erlach (Entwurff einer historischen Architectur 1721). In Italien schuf G. B. Piranesi ab Mitte des 18. Jhs. seine berühmten Veduten von Rom und anderen italienischen Städten. Die schönen großformatigen Kupfer (veröffentlicht u. a. in Antichità Romane 1748ff.) gehören im Handel zu den begehrteste Einzelobjekten im Bereich Alte Stadtansichten.

Die Lithographie, die Ende des 18. Jhs. erfunden wurde, wurde meist für großformatige Ansichten bzw. Panoramen verwendet, wie man sie z. B. in Hamburg bei V. Ruths und den Gebrüdern Suhr findet. Letztere gaben Mitte des 19. Jhs. auch schöne weithin bekannte Sammlungen von zeitgenössischen und historischen Hamburgansichten heraus (P. Suhr, Hamburgs Vergangenheit in bildlichen Darstellungen, 1838).

Das 19. Jh. wird vom Stahlstich dominiert. Die um 1817 in England erfundene Technik ermöglichte höhere Auflagenzahlen, so daß die Werke eine größere Verbreitung erfuhren. Wichtigste Ansichtenwerke sind hier Meyers Universum, Paynes Universum u. ä. die bevorzugt auch Stahlstichansichten aus Amerika, Afrika und Asien enthielten. – Als wichtige Bibliographie ist das Repertorium älterer Topographie. Druckgraphik von 1486 bis 1750. Wiesbaden 1978 von A. Fauser zu nennen.



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