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Lexikon
Architektur

Der Begriff Architektur steht allgemein für die Auseinandersetzung des Menschen mit gebautem Raum und für die Kunst bzw. Wissenschaft des planvollen Entwurfs dieses gebauten Raums. So kann heute mit Architektur genauso die Baukunst, d. h. die ästhetische Gestaltung von Bauwerken aller Art, gemeint sein, wie bestimmte historische oder zeitgenössische Baustile. Darüber hinaus wird eine bestimmte Bau-Typologie mit Architektur bzw. Architekturen betitelt. Das Berufsfeld des Architekten bezeichnet man ebenso als Architektur wie die von ihm geschaffenen Werke. Ebenfalls wird die Wissenschaft vom Bauen, die Architektonik, häufig kurz Architektur genannt.

Das ursprüngliche aus dem Griechischen stammende Wort Architektur wurde durch das Werk des römischen Baumeisters Marcus Vitruvius Pollio De architectura libri decem eingeführt. In frühmittelalterlichen Quellen noch hin und wieder präsent, taucht der Begriff Architektur im hohen und späteren Mittelalter nicht mehr auf und gewinnt erst in der Renaissance, angeregt durch das erneute Vitruvstudium und die Einflüsse italienischer Architekturtheoretiker an Bedeutung. So werden die literarischen Werke des 15. bis 18. Jahrhunderts, die sich mit der Theorie und Praxis der Baukunst befassen, allgemein als Architekturbücher bezeichnet. Diese Lehr- und Vorlagenbücher gehen letztlich alle auf Vitruvs antikes Werk zurück, das, erstmals um 1486 in Rom gedruckt, von grundlegender Bedeutung für die Architektur der Renaissance und des Barock ist. Bahnbrechend für die Architekturtheorie der Renaissance ist auch L. B. Albertis De re aedificatoria libri decem (Florenz 1485). Bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts erscheinen die neuen Vitruv-Ausgaben und Albertis Werk ohne Abbildungen. Die erste vollständig illustrierte Vitruv-Ausgabe wird jedoch bereits 1511 (Tridino, Venedig) publiziert.

Bald auch in die Volkssprachen übersetzt, verbreiten sich diese illustrierten Ausgaben schnell über ganz Europa (erste italienischsprachige Ausgabe bei Ponte, Como 1521, erste deutsche Ausgabe von Ryff, Nürnberg 1548). Auch neuere Werke wie S. Serlios Regole generali di architettura (Venedig 1537) oder A. Palladios I quattro libri dell‘ architettura (Venedig 1570) werden nun reich mit Holzschnitten ausgestattet oder mit Kupfertafeln versehen wie J. B. da Vignolas La regola delli cinque ordini d’architettura (1562) und V. Scamozzis L’idea della architettura universale (1615).

Die Formvorstellungen und Bauten dieser führenden Architekturtheoretiker der Spätrenaissance sollten zwar bis ins 18. Jahrhundert hinein großen Einfluß auf die Architektur ausüben, doch führen ihre Werke die teilweise umfassenden Vorstellungen eines Alberti vielfach nur im Sinne einer Morphologie, z.B. der Säulenordnungen, fort. So entstehen die sog. Säulenbücher, die schon bei Serlio und Vignola nur noch mit kurzen Texten versehen sind. Gegen Ende des 16. und im Verlauf des 17. Jahrhunderts werden sie durch verschiedene Architekturdekorationen ergänzt und ähneln so mehr und mehr einem Muster- oder Vorlagenbuch.

Als bedeutende deutsche Architekturbücher sind vor allem die Architectur des ersten Vitruv-Übersetzers Ryff (Nürnberg 1548) und die mit Kupfertafeln ausgestattete Architectura (Stuttgart 1593) von W. Dietterlin zu nennen. Im Barock sind es vor allem französische Architekten wie Ph. de L’Orme, A. du Cerceau oder C. Perrault, die die europäische Architektur prägen. J. F. Blondels Cours d’architecture civile (Paris 1752) bleibt in Frankreich sogar gute hundert Jahre als Lehrbuch wirksam.

Neben den vorwiegend theoretischen Werken und Vorlagenbüchern zählt man auch archäologische Abbildungswerke antiker Baudenkmäler zu den Architekturbüchern, angefangen mit den berühmten Holzschnitten der Hypnerotomachia Poliphili von F. Colonna (1499) über die Kupferstichsammlung antik-römischer Bauten des A. dell’Abacco bis hin zu den Radierungen des G. B. Piranesi im 18. Jahrhundert. Zu den maßgeblichen Bibliographien der Architektur gehören die Sammlungskataloge von: The Fowler Architectural collection of the John Hopkins University. Catalogue Baltimore, Maryland 1961 und The Mark J. Millard Architectural Collection. National Gallery of Art, Washington/New York 1993 ff.



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