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Atlanten

In der Geographie und Kartographie bezeichnet der Begriff Atlas eine Sammlung aufeinander abgestimmter geographischer oder thematischer Einzelkarten in loser oder gebundener Form. Neben den Welt- und Regionalatlanten, die die geographischen Gegebenheiten der gesamten Erde oder einer Region wiedergeben, gibt es Spezialatlanten, die sich je nach Thematik, Zweck oder Format unterscheiden, darunter Seeatlanten, Himmelsatlanten, Geschichtsatlanten, Schulatlanten sowie Hand- und Taschenatlanten.

Die Geschichte der Atlanten begann mit dem alexandrinischen Philosophen und Gelehrten Claudius Ptolemäus (87-150 n. Chr.) mit seinem ca. 140 n. Chr. entstandenen Werk Geographia, in dem er die Positionen von rund 8000 Punkten der bekannten Erdoberfläche berechnete, ohne jedoch selbst Karten anzufertigen. In der Renaissance wurde sein Werk wiederentdeckt, ins Lateinische übersetzt und ab 1475 in Europa in gedruckter Form, ab 1477 inklusive der in Holzschnitt hergestellten Karten (Weltkarte und 26 Einzelkarten) in zahlreichen Ausgaben (u. a. von Martin Waldseemüller) verbreitet und nach und nach durch "moderne" Karten ergänzt.

In der 2. Hälfte des 16. Jh. entstanden in Italien die sogenannten Lafreri-Atlanten, bei der die inzwischen im Kupferstichverfahren hergestellten Karten verschiedener zeitgenössischer Hersteller nach Wunsch des Käufers auf ein Format gebracht und zu Atlanten zusammengestellt wurden. Das in zahlreichen, mehrsprachigen Auflagen verbreitete Theatrum orbis terrarum (1570) des Antwerpener Verlegers A.Ortelius war der erste Atlas im modernem Sinn, indem er eine vom Verleger festgelegten Auswahl und Anordnung von einheitlichen Karten enthielt. Den eigentlichen Begriff "Atlas" schuf der Duisburger Verleger G. Mercator durch seinen 1595 posthum veröffentlichten, von J. und H. Hondius in erweiterten Auflagen bis ins 17. Jh. Hinein publizierten Atlas sive cosmographiae.

Im 17. Jh. waren in der Atlantenherstellung ohne Zweifel die Niederländer maßgebend. Es entstanden so berühmte und prachtvolle Werke wie der Novus Atlas (1634-35) und Atlas Maior (1662) von W. und J. Blaeu, der Novus Atlas (1638) und - in Konkurrenz zu den Blaeus - der Atlas Maior oder Novus Atlas absolutissimus (1658) von J. Janssonius; weitere produktive Verleger aus dieser Zeit waren die Familie Danckerts, F. de Wit, die Firma Covens & Mortier, P. Schenk und G. Valck und die Familie Visscher. Ende des 17. Jh. verlagerte sich die Herstellung von Atlanten nach Frankreich mit Verlegern wie N. Sanson (Cartes générales de toutes parties du monde, 1658), C. H. A. Jaillot (Atlas Nouveau, 1689) und J. B. Nolin. In Italien dominierte V. Coronelli (Atlante Veneto, 1691) und neben ihm G. G. de Rossi (Mercurio geografico, 1687) die Kartenherstellung.

Auch im 18. Jh. waren die französischen Kartenhersteller maßgebend und stilbildend, darunter N. de Fer (L’Atlas curieux, 1699) und G. Deslisle (Atlas Nouveau, 1730 erschienen bei Covens & Mortier), bei den Engländern machten sich E. Bowen, H. Moll und T. Kitchin einen Namen. Die deutsche Kartographie des 18. Jhs. wurde von dem Nürnberger Verlag von J. B. Homann vor allem mit seinem Grossen Atlas über die gantze Welt (1716) dominiert, nicht ganz so erfolgreich war sein Schüler und Konkurrent M. Seutter. Im 19. Jh. übernahm Großbritannien die Führungsrolle in der Kartographie mit Atlanten von A. Arrowsmith u. a., die anderen europäischen Kartenhersteller verloren zunehmend an Bedeutung. Zu dieser Zeit wandelte sich der Charakter der Atlanten von großformatigen, umfangreichen repräsentativen Prachtwerken zum handlichen, einheitlichen, wissenschaftlich genauen und preisgünstigen Nachschlagewerken, wie sie im 20. und 21. Jh. üblich geworden sind. – Maßgebliches Referenzwerk für die Atlanten von Mercator, Ortelius, den Blaeus und Janssonius ist Atlantes Neerlandici von C. Koeman (2. Aufl. 1997, Hrsg. P. van der Krogt).



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