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Lexikon
Berliner Dadaismus

Ganz anders als in der neutralen Schweiz waren die äußeren Umstände der Nachkriegszeit in Deutschland. Nur Elend und Armut hatte der Erste Weltkrieg in der Reichshauptstadt hinterlassen, was die Berliner Ausprägung des Dadaismus entscheidend mitbestimmte.
Richard Huelsenbeck (1892-1974) gilt als Vater des Berliner Dadaismus. 1917 verließ er den Kreis des Zürcher Dadaismus und distanzierte sich nach seiner Ankunft in Deutschland zunächst von "Dada". Doch bereits 1918 nahm Richard Huelsenbeck seine alten dadaistischen Prinzipien wieder auf und verbreitete den "Dada-Geist" in Berlin, wo sich viele junge Künstler und Literaten wie Johannes Baader, Raoul Hausmann, Hannah Höch, George Grosz und John Heartfield (Helmut Herzfelde) begeistern ließen. Im April 1918 wurde der "Club Dada" in Berlin gegründet.
Der Berliner Dadaismus zeichnete sich durch ein ausgeprägtes politisches Engagement aus, das in anderen Zentren des Dadaismus unbekannt war. Die Berliner Dadaisten waren von der Technik und der Maschine stark beeindruckt, was häufig die Themen ihrer Collagen und (Foto-)Montagen wie etwa im Falle von Raoul Hausmanns "Mechanischer Kopf (Der Geist unserer Zeit)" (1919/20) bestimmte. Ihre Werke bringen die politischen Turbulenzen und die Gewalt der Weimarer Zeit durch polemische und ironische künstlerische Anarchieaufrufe zum Ausdruck. Stellvertretend für diese Tendenz sei eine Collage Hannah Höchs erwähnt: "Schnitt mit dem Küchenmesser Dada durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands" (1920).
Ab 1919 wandten sich die Berliner Dadaisten verstärkt der Öffentlichkeit zu und traten als exklusive Gruppe auf, wobei auch interne Auseinandersetzungen zwischen Dada-Mitgliedern auf der Tagesordnung standen. Anfang der zwanziger Jahre löste sich der Berliner Dadaismus auf und seine Mitglieder gingen eigene Wege.


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