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Camden Town Group

Zwischen 1911 und 1913 erlebte die englische Ausstellungsgemeinschaft "Camden Town Group" ihren Höhepunkt. Walter Sickert wurde 1911 zum geistigen Vater der Vereinigung, zu deren Gründungsmitgliedern auch Walter John Bayes, Robert Bevan, Harold Gilman, Charles Ginner, Spencer Gore, Lucien Pissarro und wahrscheinlich James Manson rechneten. Eingeladen wurden ferner Malcolm Drummond, James Dickson Innes, Augustus John, Henry Lamb, Wyndham Lewis, Maxwell Gordon Lightfoot, William Ratcliffe und John Doman Turner.
Die Gruppe ist nach dem Londoner Stadtteil Camden Town benannt, in dem Walter Sickert in den 1890er Jahren und erneut ab 1907 lebte. Seit 1907 trafen sich einige der letztendlich 16 Künstler der Camden Town Group regelmäßig in Walter Sickerts Atelier in der Fitzroy Street. Dieser formlose Zusammenschluss wurde zur Keimzelle der 1911 offiziell ins Leben gerufenen Camden Town Group. 1911 und 1912 fanden insgesamt drei Ausstellungen der Camden Town Group in der Londoner Carfax Gallery statt; 1913 ging die Gruppierung in der neugegründeten "London Group" auf.
Im Kontext der Camden Town Group entstanden Werke von meist eher kleinen Formaten, die gerne Akte, intime Bildnisse, Landschaften und Stillleben zeigten. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten die Ansichten Londons, die den Charakter der modernen Großstadt einzufangen verstanden. Mit ihren häufig von expressivem Kolorit beherrschten Arbeiten stellten sich die Maler der Camden Town Group in die Tradition des französischen Postimpressionismus, wobei auch der Impressionismus noch nachhallte. Viele der Mitglieder hatten Frankreich besucht und dort namentlich von Vincent van Gogh, Paul Cézanne und Paul Gauguin Inspirationen empfangen.
Die Maler der Camden Town Group, denen das Verdienst zukommt, den Postimpressionismus in England eingeführt zu haben, knüpften somit an die Wegbereiter der Moderne an. Die Werke der Camden Town Group blieben im Vergleich mit der zeitgleich in Frankreich entstandenen Kunst jedoch realistisch und legten kaum Wert auf die Thematisierung rein formaler Problemstellungen.
2008 wurde die Camden Town Group mit einer umfassenden Ausstellung in London (Kat. Ausst.: Modern Painters. The Camden Town Group, Tate Britain 2008) geehrt.