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Cloisonismus

Als Cloisonismus bezeichnet man den typischen Malstil der Schule von Pont-Aven. Émile Bernard und Louis Anquetin haben ihn zum ersten Mal angewendet, und Paul Gauguin ließ sich auch bald davon begeistern. Der Cloisonismus richtet sich gegen die analytische Zersplitterung der Wirklichkeit im Pointilismus bzw. Divisionismus und ist als formales Pendant des Synthetismus zu verstehen. Der Name wurde vom Kunstkritiker Edouard Dujardin in einem 1888 in der "Revue Indépendante" erschienenen Artikel geprägt und bezieht sich auf die für Emailarbeiten verwendete Zellenschmelztechnik (frz. Cloisonné). Dabei werden Glasflüsse verschiedener Farben in ein durch Metallstege definiertes Feldergerüst eingelassen.
Die Formensprache der Künstler von Pont-Aven erzeugt eine ähnliche Wirkung wie die in dieser Technik angefertigten Emailwerke. Die Maler trennten große, leuchtende und ungemischte Farbfelder durch breite, dunkle Umrisslinien und schufen dabei flache, ornamentale Kompositionen, deren Rhythmus von den geschwungenen Konturlinien und den Farbkontrasten vorgegeben ist. Ein wichtiges Vorbild für diesen Malstil sind auch die mittelalterlichen Glasfenster, die aus monochromen, in Blei gefassten Gläsern bestehen. Vor allem ihr leuchtender Farbeffekt findet im Cloisonismus eine Entsprechung. Auch die japanischen Farbholzschnitte, die um 1900 zu den wichtigsten Erneuerungsquellen für die europäische Kunst zählten, haben dem Cloisonismus wichtige Anregungen gegeben, etwa in Hinblick auf den Eigenwert der Linie und die Ausdruckskraft der geschwungenen Ornamentform.


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