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Deutscher Werkbund

Der Deutsche Werkbund, der im Jahr 1907 in München gegründet wurde, war keine Künstlergruppierung, sondern vielmehr ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern, Künstlern, Industriellen und Handwerkern, die durch ein gemeinsames reformatorisches Ziel geeint wurden: "Veredelung" des Kunsthandwerks und zugleich die ästhetische Modernisierung des Alltags durch gezielte Kooperation. Dieser universale Ansatz ließ einen Rahmen entstehen, innerhalb dessen die Moderne gedeihen und Form gewinnen konnte.
Die Gründungsmitglieder bestanden aus zwölf Künstlern (u.a. Peter Behrens, Theodor Fischer, Josef Olbrich, Bruno Paul und Richard Riemerschmid) und zwölf Firmen, was bereits die neuartige, die Industrie einbeziehende Ausrichtung des Deutschen Werkbundes verdeutlicht.
Seit 1914 richtete der Deutsche Werkbund auch eigene Ausstellungen aus, die vielfach Impulse für das "Neue Bauen" sowie die entstehende Disziplin des Industriedesigns gaben. Für die Kölner Werkbundausstellung von 1914 schuf Walter Gropius seine "Musterfabrik"; nach dem Krieg folgten 1924 "Form ohne Ornament" in Berlin und 1927 "Die Wohnung" in Stuttgart, wo aus diesem Anlass die berühmt gewordene Weißenhof-Siedlung verwirklicht wurde. 1929 zeigte man "Wohnung und Werkraum" in Breslau, 1930 "Das vorbildliche Serienerzeugnis" in Hannover und im selben Jahr in Paris "Gemeinschaftsräume im Wohnhaus". 1931 wurde die Schau "Der billige Gebrauchsgegenstand" in Berlin und ein Jahr darauf "Wohnbedarf" in Stuttgart verwirklicht.
Schon die Titel dieser Ausstellungen bezeugen, worauf der Schwerpunkt des Deutschen Werkbundes nach dem Ersten Weltkrieg lag: auf dem industriell herstellbaren Massenprodukt und dem rationalisierten Wohnungs- und Städtebau. Die zukunftsweisenden Ideen eines funktionalen "Neuen Wohnens" und "Neuen Bauens" wurden durch den Deutschen Werkbund gezielt gefördert und verbreitet. Hierbei waren auch zahlreiche Druckschriften dienlich: Neben den "Mitteilungen des DWB" (1915-1919) und den Jahrbüchern (1912-1916/17) ist besonders die Monatszeitschrift "Die Form" (1925-1934) zu nennen, die nicht nur das "Neue Bauen", sondern auch die "neue typografie" sowie experimentelle Formgebungen und Fotografien präsentierte.
Nach dem Vorbild des Deutschen Werkbundes entstanden auch in Österreich (1910) und der Schweiz (1913) "Werkbünde"; ähnliche Zusammenschlüsse folgten in Frankreich, England und den USA.
Die Modernität des Deutschen Werkbundes führte zu einem raschen Ende während der NS-Diktatur. 1933/34 kam es zur Gleichschaltung und schließlich zur Auflösung des Deutschen Werkbundes. Die Neugründung folgte 1947, die bedeutendste Phase des Deutschen Werkbundes aber blieb die Zwischenkriegszeit: Hier bot der Deutsche Werkbund den Vorreitern der Moderne ein kreatives Forum und schuf Möglichkeiten zur Verwirklichung zukunftsweisender Ideen.

Vgl.: 100 Jahre Deutscher Werkbund. 1907-2007, Kat. Ausst. Architekturmuseum der Technischen Universität München, Akademie der Künste Berlin, München u.a. 2007.


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