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Lexikon
Die Scholle

Ende der 1890er Jahre schlossen sich einige Künstler in München zu einer Ausstellungsgruppe zusammen, die 1899 im Rahmen der Jahresschau der Münchner Künstlervereinigung zunächst unter dem Namen "Gruppe G" auftrat. Der erzielte Erfolg ermutigte sie zur Gründung einer "richtigen" Künstlervereinigung unter dem Namen "Die Scholle".
"Die Scholle" vereinte Künstler unterschiedlicher Stilrichtungen, die jedoch allesamt die Neigung zur Naturvereinfachung teilten. Der Einfluss der französischen Malerei ist bei vielen der "Scholle"-Maler deutlich bemerkbar, wobei nur wenige die abstrahierende Naturgestaltung des Jugendstils erreichten. Die zwei künstlerischen Gegenpole innerhalb der "Scholle" bildeten Fritz Erler (1868-1940) und Leo Putz (1869-1940). Beide verbrachten einige Jahre in der Pariser Académie Julian, doch während Leo Putz sich für die Lichtexperimente der Impressionisten interessierte, entdeckte Fritz Erler das Werk der "Nabis", Toulouse-Lautrecs und Puvis de Chavannes für sich. Die große Wirkung dieser französischen Meister verband Fritz Erler mit der akademischen Figurenkomposition. So zeugt sein Werk von einer eigentümlichen Mischung aus Tradition und Moderne, die dem Jugendstil sehr nahe steht und in der Münchner Kunstszene nicht untypisch war.
Während Fritz Erler Darstellungen germanischer Sagen bevorzugte, finden sich im Werk von Leo Putz hauptsächlich weibliche Akte, die meistens vom hellen Licht eines Sonnentages beleuchtet sind. Er zeigt seine Figuren in ruhiger Haltung und vermittelt dabei einen natürlichen und unbefangenen Eindruck. Seine Bilder erinnern stilistisch an die Kompositionen seiner Vorbilder Renoir und Manet und zeigen sich zum Teil auch vom Münchner Jugendstil beeinflusst.
Die Künstler der "Scholle" erzielten durch ihre traditionsbewusste Avantgarde einen beachtlichen Erfolg in München, und ihr Nachwirken lässt sich bis in die 1940er Jahre verfolgen. Fast alle "Scholle"-Mitglieder veröffentlichten ihre Werke in der Zeitschrift "Jugend", die nicht nur Jugendstilwerke publizierte. "Die Scholle" wurde außerdem zu Ausstellungen in die größten Kunstzentren um 1900, wie etwa Berlin und Wien, eingeladen. Zu den wichtigsten Vertretern gehören des Weiteren Reinhold Max Eichler, Erich Erler-Samaden, Adolf Münzer und Max Feldbauer.