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Die Schule von Nagybánya und Künstlerkolonien in Ungarn

In Ungarn gab es eine Vielzahl an Künstlerkolonien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. So formierte sich etwa in Szolnok rund um den Österreicher August von Pettenkofen eine auf den bäuerlichen Realismus ausgerichtete Gruppe; und die Künstlerkolonie Gödöllö war im frühen 20. Jahrhundert von der kunsthandwerklichen Reform bestimmt.
Größte Bedeutung kommt in der Geschichte der ungarischen Künstlerkolonien aber der Schule von Nagybánya zu. Deren Entwicklung begann nicht etwa in Ungarn, sondern in München: In den 1870er und 1880er Jahren hatten viele ungarische Maler an der dortigen Akademie ihre Ausbildung erhalten. Der Mode der Zeit entsprechend reifte unter diesen bald die Idee, die Sommer zur gemeinsamen Freilichtmalerei auf dem Land zu verbringen - die Wahl fiel auf Nagybánya: Im Jahr 1886 machten sich junge ungarische Bohemiens um Simon Hollósy (1857-1918) in das malerische Städtchen nahe der Grenze zu Siebenbürgen auf.
Die reizvolle Landschaft, das milde Klima und auch der Ort selbst begünstigten die rasche Festigung der Schule von Nagybánya, die mehrere Jahrzehnte wirkte und währenddessen von unzähligen Künstlern besucht wurde.
Im Zentrum der Schule von Nagybánya stand zunächst Simon Hollósy, der seit 1897 auch Ausstellungen in Budapest mit den Ergebnissen der Sommer in Nagybánya organisierte. Neben Simon Hollósy rechneten Kŕroly Ferenczy, Béla Ivany Grünwald, István Réti und János Thorma zu den Gründungsmitgliedern, welche die Malerschule Nagybánya auch im 20. Jahrhundert, nachdem Hollósy den Ort 1901 verlassen hatte, fortführten.
Bis etwa 1906 herrschten in der Schule von Nagybánya pleinairistische, realistische und impressionistische Stilvarianten vor, danach importierten Künstler wie Béla Czóbel aus Frankreich die neuen Tendenzen des Postimpressionismus und Fauvismus und prägten die Nebenbewegung der sogenannten "Neos" innerhalb der Schule von Nagybánya. Die "Neos" wurden zu bedeutenden Stichwortgebern für die Avantgarde, so dass sich die ungarische Moderne nicht etwa in Budapest, sondern im ländlichen Nagybánya zu formieren begann.
1911 kam es zu Differenzen zwischen den "Neos" und der pleinairistischen Generation der Schule von Nagybánya, die zum Ausschluss des "Neos" Tibor Boromisza und seiner Anhänger führten. Nur Sándor Ziffer blieb von den "Neos" zurück und beeinflusste auch noch nach dem Ersten Weltkrieg die jungen Maler mit seinem expressiven Stil.
In der Zwischenkriegszeit war János Thorma die beherrschende Figur in Nagybánya, unter seiner Ägide gliederte sich die Schule von Nagybánya in die gesamtungarische Malerei ein. Die Avantgarde blieb aber weiterhin in Nagybánya beheimatet: Neben der offiziellen Schule arbeiteten zahlreiche Künstler in den verschiedenen Stilen der Moderne in dem Örtchen.
Zu den Vertretern der Schule von Nagybánya zählen neben den bereits Genannten unter anderem Béla Balla, Ágost Benkhard, Istvan Boldizsár, Valér Ferenczy, Dávid Jándi, Géza Kádár, Márton Katz, József Klein, János Krizsán, Jenó Maticska, Hugo Mund, Oszkár Nagy, Csaba Vilmos Perlrott und Péter T. Rátz.


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