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Die Vereinigten Werkstätten

Die "Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk" wurden 1897 als Ausstellungs- und Verkaufsplattform in München gegründet. Nach dem Vorbild des "Arts and Crafts Movement" schlossen sich mehrere Handwerksbetriebe zusammen, die allerdings weniger Widerstand gegenüber der Serienproduktion leisteten als ihre britischen Vorgänger. 1907 wurde daraus eine Aktiengesellschaft. Die "Vereinigten Werkstätten" blieben bis 1991 bestehen, als finanzielle Schwierigkeiten zur ihrer Auflösung führten.
Zu den Gründungsmitgliedern der "Vereinigten Werkstätten" gehörten führende Jugendstil-Künstler wie Richard Riemerschmid (1868-1957), Bruno Paul (1874-1968), Bernhard Pankok (1872-1943), Hermann Obrist (1863-1927) und Peter Behrens (1868-1940), die fast alle zwar nicht aus der bayerischen Hauptstadt stammten, aber dort tätig waren. Viele davon gehörten auch dem 1907 gegründeten "Deutschen Werkbund" an.
Die Künstler der "Vereinigten Werkstätten" waren auf Inneneinrichtungsgegenstände wie Möbel, Lampen und Textilien spezialisiert, die insgesamt auf eine vermögende Klientel abzielten. Trotzdem boten in Serie hergestellte Artikel, wie einige Stücke Bruno Pauls und Richard Riemerschmids, gute Qualität für ein breiteres Publikum an. Die Jugendstil-Möbel der "Vereinigten Werkstätten" zeichnen sich durch einfache, funktionelle Formen aus, die trotzdem organisch wirkten. Im Gegensatz zu ihren frankophonen Kollegen verzichteten die Mitglieder der "Vereinigten Werkstätten" auf zu florale Elemente, wobei die Ausdruckskraft der reinen Linie im Vordergrund stand. Unter ihren Vorbildern ist - wie generell für den Jugendstil - die japanische Kunst hervorzuheben; durch ihre autonome Verwendung der Linie antizipierten die Künstler der "Vereinigten Werkstätten" den Expressionismus und die Abstraktion.