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Eat Art

Die Eat Art wurde in den 1960er Jahren als kulinarische Erweiterung des künstlerischen Ausdrucks von Daniel Spoerri (geb. 1930) erfunden. Damit steht die Eat Art der neodadaistischen Forderung nach einem verstärkten Einbezug der Lebenswirklichkeit in die Kunst nahe. Daniel Spoerri selbst war es auch, der für diese besondere Ausprägung der Objektkunst die Bezeichnung Eat Art ersann.
Beweggrund für die Beschäftigung mit Essen ist die Frage nach der Bedeutung von Nahrung für die menschliche Existenz, weshalb Daniel Spoerri zu ergründen suchte, was eigentlich zum Verzehr geeignet sei und was es mit dem Geschmackssinn auf sich habe. Diese Fragen trieben ihn an, experimentelle Gerichte wie das Kartoffelbrei-Eis oder das sogenannte Palindromische Diner zu erfinden, wo den Gästen zwar durch das Aussehen der Speisen suggeriert wurde, sie würden mit dem abschließenden Kaffee beginnen, doch waren Zutaten und Zubereitung an eine normale Menüabfolge angepasst, so dass sich der Espresso als Suppe entpuppte.
Darüber hinaus veröffentlichte Daniel Spoerri, der eine riesige Kochbuchsammlung besaß, zahlreiche Texte, die sich mit Essen beschäftigen, unter anderem die kulinarische Kolumne "Gastronoptikum" (1970) und ein gastronomisches Tagebuch ("Gastronomisches Tagebuch. Itinerarium für zwei Personen auf einer ägäischen Insel nebst Anekdoten und anderem Kram sowie einer Abhandlung über die Boulette", 1967). 1968 eröffnete Daniel Spoerri in Düsseldorf das "Restaurant Spoerri", zwei Jahre später erfolgte die Gründung der "Eat Art Galerie" ein Stockwerk über dem Restaurant. Kunstwerke, die dort gezeigt wurden, mussten entweder essbar sein oder ihre Werkstoffe verwandten Themenfeldern entlehnen: Ausgestellt wurden unter anderem Daniel Spoerris "Brotteigobjekte" und Werke von Joseph Beuys, César oder Roy Lichtenstein.
Indem Daniel Spoerri den Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit auf Essen und Nahrung legte, war die Entwicklung des Fallenbildes ("tableau-piège"), in dem er Hinterlassenschaften von Mahlzeiten unverändert auf dem Tisch fixierte, eine folgerichtige Konsequenz, mit der er die sinnliche Komponente des Essens in ein materialisiertes Kunstwerk überführte.


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