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Elementarismus

Aus den strengen theoretischen Prinzipien des maßgeblich von Piet Mondrian (1872-1944) ab etwa 1920 propagierten und künstlerisch umgesetzten Neoplastizismus entwickelte sich einige Jahre später der sogenannte Elementarismus. Federführend war hier der De Stijl-Künstler Theo van Doesburg (1883-1931), der ab 1924 die Gestaltungsvorgaben des Neoplastizismus dahingehend abwandelte, dass von nun an nicht einzig strenge senk- und waagrechte Linien, sondern auch die Schräge als diagonales Kompositionselement zugelassen wurden. Damit sollte eine gesteigerte Dynamik im Bildaufbau erreicht werden. Demzufolge war es beispielsweise möglich, Quadrate und Rechtecke aus ihrer vertikalen Achse gekippt in die Bildfläche zu setzen.
Diese fortan als Elementarismus bezeichnete und in einem Manifest aus dem Jahr 1926 theoretisch legitimierte Stilrichtung fiel bei zahlreichen Künstlern, die sich vorher eher an Piet Mondrians Neoplastizismus orientiert hatten, auf fruchtbaren Boden.
Ferner fanden die Prinzipien des Elementarismus ein reiches Nachleben in der Konkreten Kunst. Die Grundsatzfrage über die Zulässigkeit der Diagonalen evozierte immer größer werdende Spannungen zwischen Piet Mondrian und Theo van Doesburg und führte schließlich zu Piet Mondrians Bruch mit der De Stijl-Bewegung. Obwohl Piet Mondrian in seinem Spätwerk die rigiden Grundlagen des von ihm vertretenen Neoplastizismus etwas auflockerte, lehnte er dennoch die Diagonale zeitlebens strikt ab.