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Lexikon
Erotica

Als Erotica bezeichnet man amouröse oder galante Literatur aller Gattungen, jedoch bevorzugt in erzählender Prosa. In Erotica wird das Sinnlich-Körperliche, die sexuelle Komponente der Liebe besonders oder ausschließlich hervorgehoben. Die Abgrenzungen von Erotica zu der den emotionalen, seelisch-geistigen Bereich der Liebe betonenden Dichtung oder auch zur obszönen Literatur und Pornographie sind oftmals fließend. Diese Schwierigkeit wird durch terminologische Untiefen noch verstärkt. Ästhetisch anspruchsvolle Erotica beinhalten alle normalen Spielarten der heterosexuellen Liebe, beziehen aber auch Homosexualität, Flagellantismus und Zoophilie mit ein. Als bekannte Verfasser von Erotica gelten unter anderem Boccaccio ("Il Decamerone", 1348/53), N. E. Restif de la Bretonne ("Monsieur Nicolas", 1794/97), Marquis de Sade (u. a. "La Nouvelle Justine", 1797) und D. H. Lawrence ("Lady Chatterley’s Lover, 1928).

Erotica wurden häufig vorgeblich von Frauen verfaßt, so beispielsweise die "Memoirs of Fanny Hill" von J. Cleland aus dem Jahr 1750. Mit der bedeutenden Ausnahme des Werkes "L’Heptaméron" von Marguerite de Navarre wurden sie jedoch ausschließlich von Männern geschrieben. Inhalt von Erotica ist in der Regel die Hervorhebung eines unrealistischen unersättlichen weiblichen Bedürfnisses nach Sexualität und die sowohl physische als auch charakterliche Darstellung von Frauen männlichen Wünschen und Vorstellungen entsprechend. Folglich erreichen Erotica eine größtenteils männliche Leserschaft.

Bei der Beurteilung von Erotica dürfen der historische Stellenwert, der Zeitgeschmack, die Moralvorstellungen und sittlichen Anschauungen der Entstehungsepoche nicht außer Acht gelassen werden. Die immer wieder angestrebte Tabuisierung der Sexualität und die damit verbundene Unterdrückung von Erotica führten zu einem Ausweichen auf den bibliophilen Druck mit fiktivem Titel, Autor, Verlag und Ort. Durch den Handel unter dem Ladentisch, der den Eindruck von Rarität der Erotica steigerte, erzielte erotischer Literatur zeitweise einen hohen Sammlerwert. Als entsprechende Beispiele seien an dieser Stelle das aus Indien stammende "Kamasutra", "Tausendundeine Nacht" sowie "Yonosuke, der dreitausendfache Liebhaber" von I. Saikaku genannt.



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