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Fotorealismus

Die 5. Kasseler "documenta" im Jahr 1972 bedeutete den Durchbruch für eine neue realistische Kunstform: den Fotorealismus, der auch als Hyperrealismus, Sharp Focus Realism oder Post Pop Realism bekannt ist.
Während die Nachkriegsjahre sich (besonders in Deutschland) dem Realismus gegenüber eher verschlossen hatten, feierte dieser mit dem Fotorealismus in den 1970er Jahren ein durchaus fulminantes Comeback, das auf den Traditionen des trompe-l`oeil und des Illusionismus aufbauen konnte. In den USA, wo der Fotorealismus schwerpunktmäßig ausgeprägt war, konnten sich die Künstler zudem auf den Präzisionismus der Vorkriegszeit berufen.
Den Fotorealisten ging es mehr um eine Imitation der Fotografie mit den Mitteln der Malerei als um eine exakte Wiedergabe der Wirklichkeit. So standen häufig irritierende Perspektivwirkungen, Oberflächenstrukturen und Spiegelungen, übertriebene Detailsichtigkeit, eine allgemeine Überbetonung der Formen und die fototechnisch bedingten Effekte des Lichts und der Farbe im Zentrum des Interesses. Die Künstler des Fotorealismus suchten aus diesem Grund auch häufig schwer darzustellende Stofflichkeiten, die es ihnen erlaubten, sich ganz den technischen Fragen hinzugeben - die spiegelnden Chromteile von David Parrishs "Motorrädern" können diese Tendenz beispielhaft veranschaulichen.
Ein derartiges maltechnisches Interesse zog zwangsläufig Spezialisierungen nach sich. Wie schon Jahrhunderte früher im holländischen Barock verlegten sich auch die Fotorealisten zumeist auf ein bestimmtes Themenfeld, auf dem sie höchste Meisterschaft entwickelten: Chuck Close (geb. 1940) schuf riesenhafte Kopfporträts, Ralph Goings (geb. 1928) malte besonders häufig Autos und Fast Food-Restaurants, Richard Estes (geb. 1936) verlegte sich auf seine spiegelnden "Schaufensterbilder" und Robert Cottingham (geb. 1935) widmete sich vielfach Neonreklamen. Don Eddy (geb. 1944) und der Brite John Salt (geb. 1937) bevorzugten Autos, während David Parrish (geb. 1939) Motorräder zum Thema seiner Kunst machte. Auch John Clem Clark und John Kacere sind zu nennen, die beide Akte ins Zentrum ihres Schaffens stellten, während Ben Schonzeit gerne Verpackungen zeigte. Einen eigenständigen Stil entwickelte schon in den 1960er Jahren Philip Pearlstein.
Der fotorealistische Stil fand auch in Deutschland in den 1970er Jahren Aufnahme, etwa im Zusammenhang mit der Gruppe "Zebra" (Dieter Asmus, Peter Nagel, Dietmar Ullrich und Nikolaus Störtenbecker), bei Franz Gertsch oder Ben Willikens.
Für die Plastik des Fotorealismus, die auch häufig mit neuartigen Materialien experimentierte und im Unterschied zur fotorealistischen Malerei weniger an fotografischen Effekten als an echter Abbildhaftigkeit interessiert war, sind John de Andrea und Duane Hanson anzuführen.


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