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Lexikon
Französische Romantik

Später als in Deutschland sind romantische Tendenzen in der französischen Malerei fassbar zu machen. Zwar sind bereits in klassizistischen Werken beispielsweise eines Pierre-Paul Prud'hon stimmungsvoll-melancholische und romantische Elemente auszumachen. Doch erst mit der Salonausstellung des Jahres 1827 galt der Klassizismus als überwunden.
Neben Antoine-Jean Gros und Théodore Chassériau sind die Hauptmeister der französischen Romantik Théodore Géricault (1791-1824) und Eugène Delacroix (1798-1863). Das Werk beider Maler repräsentiert zugleich die Bevorzugung des Historienbildes, wodurch sich die französische Romantik von den anderen europäischen Ländern und der dort vorherrschenden Vorrangstellung der Landschaft grundlegend unterscheidet.
Die Bilder von Géricault und Delacroix zeichnen sich gleichermaßen durch eine überbordende malerische Fülle aus, einen temperamentvollen Duktus, eine satte Farbigkeit, scharfe Helldunkelkontraste und ihre auf den ersten Blick nur schwer überschaubaren Raum- und Figurenkonstellationen. Hochdramatisch verbildlichen beide Künstler ihre Stoffe.
Géricaults "Floß der Medusa" von 1818-19 wirkte als Initialwerk für den jüngeren Delacroix. In dessen Oeuvre finden sich mythologische Stoffe wie beispielsweise die "Dantebarke" (1822), mit der er erste Erfolge feierte, oder aktuelles Zeitgeschehen wie das von den Barrikadenkämpfen der Julirevolution im Jahr 1830 inspirierte Gemälde "Die Freiheit führt das Volk an" (1830). Orientalisierende Sujets, die er unter anderem auf einer Reise nach Marokko 1832 kennenlernte, waren eine weitere wichtige Inspirationsquelle für Delacroix, deren exotische Anziehungskraft er unter anderem im "Tod des Sardanapal" (1827-28) oder sinnlichen Haremsszenen verarbeitete. Hervorzuheben ist Delacroix' meisterhaftes, an Rubens geschultes Kolorit, dem er durch farbige Schattierungen und kühne Komplementärkontraste reizvolle Akzente verlieh.
War mit Géricault und Delacroix der Gipfel der französischen Romantik erreicht, so sind dennoch im zeichnerischen und malerischen Werk beispielsweise eines Gustave Doré (1832-83) oder bei den Vertretern der Schule von Barbizon letzte romantische Anklänge zu finden.


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