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Futurismus

Der Futurismus (lat. futurum = Zukunft) entwickelte sich in Italien um 1909/1910 als Avantgardebewegung, welche mit allem Vorhergehenden brechen wollte. Der Futurismus beschränkte sich keineswegs auf die bildende Kunst, sondern verfügte über einen ganzheitlichen Ansatz, der alle Lebensbereiche ergreifen sollte. Zwischen 1909 und 1916 publizierten die Futuristen rund 50 Manifeste, die sich auch zu Theater, Literatur, "Lärmkunst" und anderen Kategorien programmatisch äußerten.
Futuristische Künstler agierten gegen die Akademien, setzten Museen mit Friedhöfen gleich und warben stattdessen für eine Ästhetik körperauflösender Dynamik. Dementsprechend setzte sich der Futurismus, dem Kubismus hierin vergleichbar, mit der Form und ihrer Zerlegung auseinander. Die futuristische Formauflösung arbeitete dabei aber nicht nur mit der rein kubistischen Zersplitterung der Figurationen, vielmehr sollten wie bei einer "Chronofotografie" - einem mehrfach belichteten Foto - aufeinander folgende Bewegungsabläufe in dem Bild visualisiert werden.
Der Faktor Zeit erhielt somit eine wichtige Bedeutung in der Kunst des Futurismus. Die in den Bildern gezeigte Simultaneität dynamischer Vorgänge sollte den technischen Fortschritt abbilden und verweist damit auf die zukunftsorientierte Einstellung der Strömung. Die Kompositionen des Futurismus werden demnach rhythmischer und ausschnitthafter, da sich Bewegung nicht in einen vorgegebenen Bildraum einfügen kann. Die Künstler entwickelten einen schnellen und vibrierenden Duktus, die Perspektive und die Umrisslinien lösen sich auf, Farben und Formen entsprechen sich. Auch die Plastik möchte einzelne Bewegungssequenzen und die Geschwindigkeit der technologischen Welt in einem Objekt festhalten, so dass die Figur wie bei Umberto Boccionis Werk "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum" wie aufgesplittert wirkt.
Gesellschaftshistorisch erwuchs die futuristische Begeisterung für die Geschwindigkeit aus dem Wunsch, die Gesellschaft im Zuge der progressiven technischen Entwicklungen vollkommen neu zu strukturieren. Das Gründungsmanifest des Futurismus, das der Dichter Filippo Tommaso Marinetti am 20. Februar 1909 in "Le Figaro" publizierte, proklamiert dementsprechend den Bruch mit allen althergebrachten Traditionen. Den Krieg sahen die Futuristen als eine Möglichkeit an, die Welt von alten und nicht zeitgemäßen Anschauungen zu reinigen und von neuem beginnen zu können. Dieser aggressive Militarismus beschreibt die dunkle Seite des Futurismus, die in Zusammenhang mit dem italienischen Faschismus steht.
Die Forderung der Futuristen, die traditionellen Gattungsgrenzen zu überschreiten, ist dagegen von hohem avantgardistischem Wert und sollte etwa im Dadaismus Anklang finden. Philosophisch standen die Futuristen den Ideen Friedrich Nietzsches und Henri Bergsons nahe.
Zu den bedeutendsten Künstlern des Futurismus rechnen Giacomo Balla, Umberto Boccioni, Carlo Carrà, Filippo Tommaso Marinetti, Luigi Russolo und Gino Severini. Eine futuristische Architektur vertreten Antonio Sant`Elia und Mario Chiattone.


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