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Gruppe Nabis

Paul Sérusier (1864–1927) kam im Sommer 1888 im bretonischen Pont-Aven an. Dort lernte er Paul Gauguin kennen, der ihm wichtige Anregungen für die Landschaftsmalerei gab. Die rhythmische Anordnung von großflächigen Farbfeldern, der Verzicht auf Modellierung und der Eigenwert der Linie sind dabei die wichtigsten Prinzipien, die sich wiederum gegen die "Oberflächen-Malerei" des Impressionismus wandten und die äußere Erscheinungswelt zu transzendieren versuchten. Sérusier wandte das Gelernte sofort in einer auf den Deckel einer Zigarrenschachtel gemalten Landschaft an. Das Gemälde trägt den Titel "Der Talisman" und wurde geradezu zum Manifest der neu gegründeten Gruppe "Nabis".
Der Name "Nabis" stammt aus dem Hebräischen und bedeutet "Propheten". Er wurde vom Dichter Henri Cazalis geprägt. Diese Bezeichnung schließt eine gewisse Ironie mit ein, denn das Selbstverständnis der "Nabis" als Eingeweihte einer Kunst, die sie als eine Art religiöse Offenbarung verstanden, bewegte sich immer zwischen Ernst und Spiel. Die "Nabis" trafen sich zunächst in einem Café in der Passage Brady und später in Paul Ransons Domizil in Montparnasse. Ihre Werke stellten sie 1892 zum ersten Mal zusammen aus. Nach einer erfolgreichen Ausstellung 1899 bei der für die Pariser Avantgarde sehr wichtigen Galerie Durand-Ruel begann die Gruppe "Nabis" sich langsam aufzulösen.
Die Kunst der "Nabis" führte die bereits in "Der Talisman" enthaltenen Prinzipien weiter, obwohl die verwendeten Medien und der individuelle Stil sehr unterschiedlich waren. Maurice Denis (1870–1943) fasste das leitende Konzept für die Malerei als eine von Farben in einer bestimmten Reihenfolge bedeckten zweidimensionalen Fläche zusammen. In dieser Kunstauffassung ist bereits der Grundstein der Abstraktion gelegt. Der Zusammenhang zwischen dem Symbolismus und der autonomen Kunst ist auch in der persönlichen Entwicklung anderer Künstler wie Wassily Kandinsky oder Piet Mondrian zu sehen. Die Vermittlung des Geistigen ist somit an die Auflösung der materiellen Form gebunden.
Die wichtigsten "Nabis" waren neben Sérusier und Denis - die Theoretiker der Gruppe - Paul Ranson, Pierre Bonnard, Édouard Vuillard, Émile Bernard, Félix Valloton, Ker-Xavier Roussel und Georges Lacombe.


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