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Lexikon
Gustavianischer Stil

Eine Sonderform des skandinavischen Rokoko war der Gustavianische Stil, der nach Schwedens König Gustav III. (Regierungszeit 1771-92) benannt ist. Der Gustavianische Stil gilt als schwedische Variante des Louis-seize und ist mit dem deutschen Zopfstil oder dem österreichischen Josephinismus zu vergleichen: Auch hier vereinen sich die bewegten, verspielten Rokokoformen mit klassizistischen Elementen.
Die Interieurgestaltung des Gustavianischen Stils setzte auf ruhige Symmetrie und schmückende Wandbemalungen, vorherrschend war eine helle und lichte Farbigkeit. Im Ornament ließ man sich aus Frankreich anregen, das auch für die Möbelkunst des Gustavianischen Stils zum Stichwortgeber wurde. Die geschwungenen Formen des Rokoko wurden sukzessive durch begradigte Umrisse ersetzt; im Dekor tauchen antikisierende Elemente wie Mäander oder Eierstab auf. Das Kolorit der Möbelfassungen wird von Grau- und Weißtönen dominiert.
Als bedeutendster Vertreter der Architektur der Gustavianischen Epoche gilt Erik Palmstedt (1741-1803), als dessen Hauptwerk der "Arvfurstens palats" (Palast des Erbfürsten) in Stockholm angeführt werden kann. Auch der Architekt Olof Samuel Tempelman (1745-1816) schuf im ausgehenden 18. Jahrhundert stilbildende Bauwerke. In Malerei, Graphik und Innenarchitektur wirkte der gebürtige Franzose Louis Adrien Masreliez (1748-1810, seit 1753 in Stockholm), in dessen Werk sich die Wendung von Rokoko zu Klassizismus deutlich widerspiegelt. Schwedens bedeutendster Bildhauer der Epoche, Johan Tobias Sergel (1740-1814), prägte einen bewegten, frühklassizistischen Stil.